Moderation: Sonja Zekri, Süddeutsche Zeitung

Zeit, Ort: Dienstag, 18. Mai 2004, 20.00 Uhr, Literaturhaus, Salvatorplatz 1, 80333 München, Saal, III. Stock (U- oder S-Bahn Marienplatz)

Veranstalter: Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas e. V. (München), Stiftung Literaturhaus, UIM

Eintritt: 7,--/5,-- €

Im Rahmen des textwerk-Seminars für Übersetzer aus dem Ungarischen, das vom Münchener Literaturhaus vom 17. bis zum 21. Mai 2004 mit Unterstützung des UIM und des Berliner Collegium Hungaricum veranstaltet wird, stellen zwei herausragende ungarische Autoren ihr Werk vor und sprechen über ihre literarischen Wurzeln.

Magda Szabó (* 1917 Debrecen) begann ihre Karriere nach dem Zweiten Weltkrieg als Dichterin. Während des Publikationsverbots in den Jahren des Stalinismus fing sie an, Prosa zu schreiben. Seit den späten 1950er Jahren erfreuen sich ihre Romane, Erzählungen, Dramen, Drehbücher, Essays, Kinder- und Jugendbücher bei den ungarischen Lesern einer beispiellosen Popularität. Im Ausland, zuerst im deutschen Sprachraum, haben sie hohen Bekanntheitsgrad erreicht. Ihre 46 Werke wurden in 42 Sprachen übersetzt. Die national und international vielfach preisgekrönte, bislang meistübersetzte ungarische Autorin feiert seit Monaten überschwengliche Erfolge in der literarischen Szene Frankreichs. „La porte", die französische Übersetzung ihres Romans „Az ajtó" (1987, dt. „Hinter der Tür", 3. Aufl., 1999), brachte ihr 2003 den international angesehenen Femina-Preis für ausländische Literatur ein. Die psychologische Sichtweise ihrer Romane, ungarisch zuletzt im ersten Band ihrer literarischen Autobiographie „Für Elise" (2002), ist von analytischer Kühle, zugleich aber von großer Zartheit und Sensibilität vor allem bei der Darstellung der Schicksale von Frauen und Familien im Konflikt zwischen alten und neuen Werten.

György Dalos (* 1943 Budapest) wurde nach Studium in Moskau, Mitgliedschaft in der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei und Ausschluß aus derselben wegen „staatsfeindlicher Aktivitäten" Ende der 1960er Jahre in Ungarn mit Publikationsverbot belegt. Seit den 1980er Jahren ist er als „intellektueller Pendler" zwischen Budapest, Wien und Berlin zu einer der im deutschsprachigen Raum meistgehörten kulturellen Stimmen Ungarns geworden. Als scharfsinniger Essayist und feinfühliger Erzähler greift er gerne historische und zeitgeschichtliche Themen auf. Seine Werke publiziert er regelmäßig auch in deutscher Sprache. 1995 wurde ihm der Adelbert-von-Chamisso-Preis, die Auszeichnung für wichtige Beiträge von Autoren nichtdeutscher Sprachherkunft zur deutschen Literatur, zuerkannt. Von 1995 bis 1999 war er Direktor des ungarischen Kulturinstituts in Berlin. Zuletzt erschien von ihm „Ungarn in der Nußschale. Geschichte meines Landes" (2004).