EINLADUNG

zum 6. Vortrag der Veranstaltungsreihe „Ungarn in den Beziehungsgeschichten Ostmitteleuropas"

Prof. Dr. Lajos Gecsényi (Budapest): Die ungarisch-österreichischen Beziehungen zwischen 1945 und 1965

Zeit, Ort: Donnerstag, 9. Oktober 2003, 19.30 Uhr, Internationales Begegnungszentrum der Wissenschaft (IBZ), Amalienstraße 38, 80799 München, U 3 oder U 6 Universität

Moderation: Dr. Ralf Thomas Göllner (UIM)

 

Die Beziehungen zwischen Österreich und Ungarn erfuhren in den letzten rund 150 Jahren deutliche und zum Teil grundlegende Veränderungen. Der österreichisch-ungarische Ausgleich von 1867 und der Zusammenbruch der Doppelmonarchie nach dem Ersten Weltkrieg hatten sie weniger beeinträchtigt als die Teilung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg. Die nach 1945 zunächst demokratische Entwicklung in Ungarn wurde nach der Eingliederung des Landes in den Moskauer Herrschaftsbereich jäh unterbrochen. Damit trat in den traditionellen österreichisch-ungarischen Kontakten ein Stillstand ein. Die Wiederbelebung der Beziehungen zwischen den beiden Staaten erfolgte infolge der Entstalinisierung in Osteuropa und der Entlassung Österreichs in die Neutralität. In den Tagen der ungarischen Revolution 1956 leisteten Regierung und Volk Österreichs für Ungarn aktive politische und humanitäre Hilfe. Nach der Niederschlagung der Revolution erreichten die Beziehungen zwischen den beiden Staaten wieder einen Tiefpunkt. Ab 1962 verbesserten sie sich allmählich und durchliefen drei Jahre später eine positive Wandlung, welche die Voraussetzungen für das eigenartige ungarisch-österreichische Kontaktsystem der darauffolgenden 25 Jahre schuf.

Prof. Dr. Gecsényi (* 1942) studierte Geschichte und Archivkunde an der Eötvös-Loránd-Universität zu Budapest (1971 Dr. phil.). 1965-1974 Archivar in Budapest, 1974-1987, 1994-1997 Komitatsarchivdirektor in Raab (Győr), 1983-1986 Landesfachinspektor für die Staatlichen Archive Ungarns, 1987-1994 Leiter der Ungarischen Archivdelegation beim Österreichischen Staatsarchiv in Wien. Hauptamtlich seit 1965 im Archivwesen tätig, seit 1997 Generaldirektor des Ungarischen Staatsarchivs. Seit 1995 Lehrtätigkeit im Fach Geschichte der Frühen Neuzeit an der Eötvös-Loránd-Universität. 1985-1992 Chefredakteur der „Levéltári szemle" (Archivalische Rundschau), seit 1997 der „Levéltári közlemények" (Archivmitteilungen). Leitendes Mitglied wissenschaftlicher Vereinigungen im In- und Ausland, Träger ungarischer und ausländischer Auszeichnungen.

Die Publikationen Prof. Gecsényis, darunter zahlreiche in deutscher Sprache, sind in der zu seinem 60. Geburtstag erschienenen Festschrift verzeichnet (Fons 9 [2002] 1-3, 459-471). Das Thema seines Münchener Vortrags gehört – neben der Wirtschafts- und Gesellschaftsgeschichte Ungarns und der Habsburgermonarchie im 16. und 17. Jahrhundert – zu seinen aktuellen Arbeitsschwerpunkten. Dazu erschien von ihm u. a. A budapesti osztrák képviselet jelentései Magyarországról 1946-1947 [Berichte der Budapester Vertretung Österreichs über Ungarn]. In: Levéltári szemle 42 (1992) 1, 57-76; Osztrák külügyi iratok Magyarország történetéhez. 1956 október-december [Österreichische außenpolitische Schriften zur Geschichte Ungarns]. In: Múltunk 41 (1996) 2, 156-206; Osztrák háttérdokumentumok az 1956-os magyar forradalom történetéhez [Österreichische Hintergrunddokumente zur Geschichte der ungarischen Revolution 1956]. In: Társadalmi szemle 51 (1996) 6, 84-94; Iratok Magyarország és Ausztria kapcsolatainak a történetéhez 1956-1964 [Schriften zur Geschichte der ungarisch-österreichischen Beziehungen]. Budapest 2000 (Herausgeber); Die Beziehungen zwischen Ungarn und Österreich 1945-1964. In: Der eiserne Vorhang. Katalog zur Sonderausstellung im Heeresgeschichtlichen Museum. Wien 2001, 53-76.