EINLADUNG

ZUM SYMPOSIUM Literarisches Europa. Acht Autoren erkunden seine Grenzen.

Veranstalter: Literaturhaus München, Italienisches Kulturinstitut, Generalkonsulat der Niederlande, Generalkonsulat der Republik Polen, Schweizerisches Generalkonsulat, Instituto Cervantes, Tschechisches Zentrum München, Ungarisches Institut München

Zeit, Ort: Samstag, 10. Mai 2003, Literaturhaus, Salvatorplatz 1,
80333 München, Saal

Anmeldung: Kartenreservierung unter 089 / 29 19 34 27

Eintritt: 10,--/8,-- Euro

Europa hat in den vergangenen Monaten über Krieg und Bündnisse wieder die weltpolitische Bühne betreten und spielt ein altes Stück von Bruderzwist und Königstreue. Eine europäische Einheit, lange Zeit vornehmlich ökonomisch und bürokratisch betrieben, scheint politisch ferner denn je. Welche Rolle spielt Europa für seine Schriftsteller? Gibt es eine gemeinsame Quelle europäischer Traditionen und Erfahrungen? Was eint, was trennt europäische Autoren heute? Die großen historischen Ereignisse des letzten Jahrhunderts? Aktuelle politische Strukturen oder die politischen Visionen? Kurz: welche Grenzen trennen Europa?

Das Literaturhaus München und sieben in München vertretene Kulturinstitute haben acht Autoren aus verschiedenen Staaten Europas dazu eingeladen, über die Frage der »Grenze« zu sprechen, deren Vermessung jeder Einigung vorausliegt. Das Programm am Samstag, 10. Mai 2003:

10. 00 Uhr Grenzen, phänomenologisch: Hugo Loetscher (Schweiz) und Carmine Abate (Italien).
Moderation: Maike Albath (Deutschlandfunk)

11. 30 Uhr Kaffeepause

11. 45 Uhr Grenzen, medial: Jaroslav Rudis (Tschechien) und Péter Zilahy (Ungarn).
Moderation: Bernd Graff (Süddeutsche Zeitung)

13. 15 Uhr Mittagspause

14. 30 Uhr Grenzen, literarisch: Juan José Millas (Spanien) und Robert Stiller (Polen).
Moderation: Volker Isfort (Abendzeitung)

16. 00 Uhr Grußwort: Christina Weiß, Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien

16. 30 Uhr Kaffeepause

16. 45 Uhr Grenzen, real: Geert Mak (Niederlande) und Katja Lange-Müller (Deutschland).
Moderation: Cornelia Zetzsche (Bayerischer Rundfunk)

18. 15 Uhr »Europa grenzenlos« - Kehraus mit Tilman Spengler

Péter Zilahy (Budapest, 1970), Lyriker, Prosaist, Redakteur. Nach Studium der Philosophie, Anglistik und kulturellen Anthropologie zeitweilig Dozent, später Redakteur der ungarisch-englischen literarischen Internet-Zeitschrift „Link Budapest".

Derzeit freischaffender Weltenbummler mit einer ausgeprägten Neigung, möglichst alle Landesgrenzen zu überschreiten.

Werke u. a.:
Lepel alatt ugrásra kész szobor [Unter Hülle sprungbereites Standbild].
Budapest 1993; Az utolsó ablakzsiráf [Die letzte Fenstergiraffe. Budapest 1998, 22000];
Die es nicht gibt. In: Kafka. Zeitschrift für Mitteleuropa, 2001/4, S. 26-35.

Ausgewählte Gedichte in mehreren Sprachen auf der Homepage unter www.lyrikline.org.

Zilahy, der seine schriftstellerische Arbeit häufig mit anderen künstlerischen Ausdrucksformen wie Photographie, Multimedia oder Performance verknüpft, stellt im Rahmen seines Vortrags auch seine 1999-2001 entstandene CD-ROM „Az utolsó ablakzsiráf" (Die letzte Fenstergiraffe) vor. Sie behandelt, wie die Urfassung in Buchform, das Erwachsenwerden des Autors im kommunistischen Ungarn vor dem Hintergrund der Belgrader Studentendemonstrationen 1996/1997 gegen das damalige jugoslawische Regime. In dieser interaktiv-multimedialen, deutsch-, englisch-, ungarisch- und serbischsprachigen Reportage geht Zilahy der Frage nach, wie er „historisch hier gelandet ist": an der Grenze zwischen zeithistorischen Epochen, Sprachen und Kulturen, zwischen Prosa und Poesie, Fiktivem und Empirischem. Mit seinen zyklisch und mehrpolig wiederkehrenden Themen ähnelt dieses Werk „Catch 22" von Joseph Heller. „Catch 22" setzt sich mit dem Irrsinn des Krieges auseinander, „Die letzte Fenstergiraffe" mit dem Irrsinn des Alltags in einer Diktatur. Der Umschlag der CD-ROM bildet ein mit Teppichen bedecktes Europa ab – zur Erinnerung an den Kalten Krieg, der die Vernunft gleichsam unter den Teppich kehrte. Politische Grenzen fehlen auf dieser „Fleckerlteppich-Karte" – um die kulturelle Vielfalt über staatsrechtliche Trennlinien hinweg anzudeuten.

„Die letzte Fenstergiraffe" ist eine Art Wörterbuchroman, der auf eine in Ungarn berühmte Kinderenzyklopädie anspielt. Es ist ein ungarisches Lexikon für Fortgeschrittene – über das Ost- und Südosteuropa der postkommunistischen Umbruchsjahre: „Es schaut mit Kinderaugen auf die alte Welt, wo selbst die Großeltern noch wie Kinder behandelt wurden". Auf diese Weise bewegt es sich auch an der Grenze zwischen Generationen. Sein Inhalt wird vom ersten und vom letzten Begriff im Wörterverzeichnis umrahmt („Ablak" = Fenster, „Zsiráf" = Giraffe).

„Die letzte Fenstergiraffe" wurde bisher in 11 Sprachen übersetzt. Der Berlin Verlag kündigt für 2004 eine deutsche Übersetzung an. Der Saarländische Rundfunk und das DeutschlandRadio haben das Buch 2001 für ein Hörspiel umgearbeitet (mit Stefan Szász, Sona McDonald u. a., Regie: Christiane Klenz, SR/DLR 2001). Informationen zur CD-ROM-Version, die mittlerweile in mehr als zwanzig Städten vorgestellt worden und nun erstmals in Bayern zu sehen und hören ist, unter www.zilahy.net.