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Einladung zum internationalen Kolloquium

Neue Quellenstudien zur ungarischen Revolution von 1956.  Audiovisuelle, publizistische und rechtliche Dokumente Methoden ihrer Auswertung

Veranstalter:

Ungarisches Institut München und Széchényi Nationalbibliothek (Budapest)

Ort: Literaturhaus München, Bibliothek, Salvatorplatz 1, 80333 München

Zeit: Freitag, 13. Oktober 2006, 10.00 – 16.00 Uhr

Mit freundlicher Unterstützung der

Bayerischen Staatskanzlei

Vorbemerkungen

Eingebettet in einen binnenungarischen und internationalen Kontext begann am 23. Oktober 1956 die ungarische Revolution – ein Ereignis, das die Entwicklung Ungarns, aber auch des östlichen Bündnissystems bis 1989 maßgeblich beeinflußt hat. Zu ihrem 50. Jahrestag setzt das Kolloquium in einem textorientierten und einem audiovisuellen Block Aspekte ihrer Geschichte und nachwirkenden Bedeutung ins Licht bisher unbekannter oder unbearbeiteter Dokumente.

Aus einer involvierten Außenperspektive wird die zeitgenössische Berichterstattung im Münchener „Radio Free Europe" zweifach zur Quelle, da der Referent damals Redakteur der ungarischen Abteilung war. Der zweite Vortrag bietet jüngste Erkenntnisse aus der Rechtswissenschaft über die Möglichkeit dar, das mit 1956 zusammenhängende Unrecht im kommunistischen System zu bewältigen. Anschließend werden die gegen Ende des Aufstands hauptsächlich in Budapest aufgenommenen Bilder des weltberühmten Fotografen Stefan Moses als künstlerisch bedeutsame und sozialgeschichtlich aussagekräftige Raritäten der ikonographischen Forschung gewürdigt.

Der audiovisuelle Block bringt eigens für diesen Anlaß zusammengestellte und kommentierte Materialien aus der Sondersammlung Historischer Interviews der ungarischen Nationalbibliothek. Er gewährt neue Einblicke in den Alltag des „gefilmten" Aufstands.

Das Kolloquium findet am Tag und Ort der Eröffnung der Ausstellung

„ungarnaufstand 1956.
50 fotografien von stefan moses"

als deren Begleitprogramm statt. Beide Veranstaltungen gehören zum Angebot des Ungarischen Kulturjahres in Deutschland „Ungarischer Akzent".

Programm als PDF

Programm

10.00 Uhr

Begrüßung und Einführung
Zsolt K. Lengyel / István Monok / Ralf Thomas Göllner

Vorträge und Filmpräsentationen
I.

10.15 Uhr

Die Tätigkeit des Münchener „Senders Freies Europa" während des Ungarnaufstands 1956. Quellenbericht eines Zeitzeugen.
Gyula Borbándi

Die Mitarbeiter des „Radio Free Europe" waren nicht nur entfernte Zeugen, sondern gewissermaßen Teilnehmer der Revolution. Sie arbeiteten während jener Tage nahezu durchgehend. Inhaltlich der amerikanischen Kontrolle unterstellt, hatten ihre Sendungen eine internationale politische Bedeutung. Der Referent blickt kritisch zurück.

10.45 Uhr

Die praktische Relevanz alter Quellen: Die ungarische Revolution 1956 und ihre juristische Aufarbeitung heute
Herbert Küpper

Analysiert werden Quellen, die eine Grundlage für eine Wiedergutmachung für die Opfer der Revolution darstellen, sowie solche, die für eine Bestrafung der Täter und den rechtlichen Umgang mit rechtswidrigen Beständen der Diktatur aufschlußreich sind.

11.15 Uhr

Fotos als Quelle zum Aufstand in Ungarn 1956. Die Werke von Stefan Moses
Béla Albertini

Stefan Moses ist in Ungarn noch weitgehend unbekannt. Seine 1956er Fotoreihe spiegelt vornehmlich menschliche Dramen wider. Der Vortrag weist ihr als frisch entdeckte Münchener Hungarica eine lückenfüllende Rolle unter den visuellen Zeugnissen über „den heißen Herbst im Kalten Krieg" zu.

II.

  

14.00 Uhr

Filmdokumente der Revolution in Ungarn 1956
Anikó Szécsényi

Während der Revolution wurden zahlreiche Filmaufnahmen angefertigt, die jedoch verloren gegangen sind oder von den Sicherheitsorganen des Kádárregimes beschlagnahmt wurden. Nur einige konnten in den Westen gebracht werden. Die Referentin untersucht die Arbeitsbedingungen der Kameraleute und stellt die Umstände dar, unter denen die Aufnahmen in den Westen gelangten.

14.30 Uhr

Wie macht man eine Revolution? Erfahrungen am ersten Tag des Ungarnaufstands 1956
Balázs Mészáros

In der Oral-History-Sammlung der Budapester Széchényi Nationalbibliothek werden mehr als 1.500 audiovisuelle Interviews aufbewahrt, in denen auch das Thema des Kolloquiums eine bedeutende Rolle spielt. Anhand dieses Materials wird gezeigt, wie die Bevölkerung den ersten Tag der Revolution erlebte.

15.00 Uhr

Film – Nachricht – Fiktion – 1956. Filme über die Revolution und die Geschichte der Revolution
Gábor Hanák

1958 wurden in München und in Budapest die ersten Dokumentarfilme über die Revolution zusammengestellt („Ungarn in Flammen", „So geschah es"). Die 1990 unter der Studioleitung des Referenten produzierten „Bilder der Revolution" zeigen Ausschnitte aus ihnen. Der Vortrag analysiert die Geschichte dieser Filme im Vergleich mit jener der Revolution anhand der gesamten zeitgenössischen Reportagen, die so erstmals umfassend zugänglich werden.

Nach beiden Themenblöcken findet jeweils eine halbstündige Diskussion statt.

16.00 Uhr

Ende des Kolloquiums

Referenten und Mitwirkende

Dr. Béla Albertini, Dozent für Kunstgeschichte und Fotoreportage, Eötvös-Loránd-Universität (Budapest) und Universität Kaposvár (Ungarn), Hochschulfakultät für Kunst

Dr. Gyula Borbándi, Publizist, Historiker, ehemals leitender Redakteur des „Radio Free Europe" (München)

Dr. Ralf Thomas Göllner, wissenschaftlicher Referent, Ungarisches Institut München

Gábor Hanák, Abteilungsleiter, Széchényi Nationalbibliothek (Budapest), Sammlung Historischer Interviews

PD Dr. Herbert Küpper, Geschäftsführer, Institut für Ostrecht (München), Länderreferat Ungarn

Dr. Zsolt K. Lengyel, Direktor, Ungarisches Institut München

Balázs Mészáros, Redakteur, Széchényi Nationalbibliothek (Budapest), Sammlung Historischer Interviews

Dr. István Monok, Generaldirektor, Széchényi Nationalbibliothek (Budapest)

Anikó Szécsényi, Redakteurin, Széchényi Nationalbibliothek (Budapest), Sammlung Historischer Interviews

Dr. Adalbert Toth, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Ungarisches Institut München

Organisatorische Hinweise

Der Ort des Kolloquiums ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, Parkplätze stehen nicht zur Verfügung. Anmeldungen sind nicht erforderlich, Teilnahmegebühren werden nicht erhoben.

Zur Vernissage „ungarnaufstand 1956. 50 fotografien von stefan moses" ergeht gesonderte Einladung.

Für Personen- und Sachschäden bei der An- und Abreise sowie während des Kolloquiums übernehmen die Veranstalter keinerlei Haftung.

Rückfragen an die Kolloquiumsleitung:

Dr. Ralf Thomas Göllner / Krisztina Busa, M. A., Tel. [+49] 089/348171, Fax [+49] 089/391941, E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! / Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Kurze Chronik des Ungarnaufstands 1956

4  7. 1953: Stalinist Mátyás Rákosi gibt auf sowjetischen Druck das Ministerpräsidentenamt an Imre Nagy ab

Februar-April 1955: Rákosi verdrängt Nagy aus politischen Ämtern

14.-25. 2. 1956: XX. Parteitag der KPdSU mit Geheimrede Chruschtschows, Abrechnung mit Stalin

März: Gründung des Petőfi-Kreises in Budapest und Forderung nach Demokratisierung

28. 6.: Beginn der Streikbewegungen in Polen

17. 7.: Absetzung Rákosis als Generalsekretär der KP, Ernő Gerő wird Nachfolger

16. 10.: Gründung eines unabhängigen Studentenverbands in Szeged

23. 10.: Budapester Solidaritätskundgebung für polnische Reformer wird zur Demonstration für Wiedereinsetzung Nagys und Abzug sowjetischer Truppen. Ungarischer Staatssicherheitsdienst ÁVH schießt auf Demonstranten vor dem Budapester Rundfunkgebäude. Teile der Bevölkerung bewaffnen sich

24. 10.: Erste sowjetische Intervention mit Kämpfen in Budapest. Revolution breitet sich im ganzen Land aus, Ausnahmezustand. Nagy wird wieder Ministerpräsident und bildet Regierung unter Beteiligung von Nichtkommunisten

25. 10.: Großdemonstration vor dem Parlamentsgebäude endet in von ÁVH und sowjetischen Einheiten verursachtem Blutbad. Absetzung Gerős, János Kádár neuer Generalsekretär der KP

28. 10.: Arbeiter- und Revolutionsräte sowie Nationalkomitees üben Staatsgewalt mit aus. Nagy verkündet Abzug sowjetischer Truppen aus Budapest, Auflösung des ÁVH und Verhandlungen über Rückzug der sowjetischen Truppen

29. 10.: Bildung einer ungarischen Nationalgarde aus Teilen von Armee, Polizei und Aufständischen

30. 10.: Nagy verkündet Abschaffung des Einparteiensystems

31. 10.: Sowjetische Truppen verlassen Budapest, Moskau beschließt Niederschlagung der Revolution

1. 11.: Neue sowjetische Truppenbewegungen. Nagy erklärt Ungarns Austritt aus Warschauer Pakt sowie Neutralität

3. 11.: Kádár wechselt die Seite und bildet die Gegenregierung. Verteidigungsminister Pál Maléter und andere Führer der Nationalgarde werden bei Verhandlungen von den Sowjets verhaftet

4. 11.: Zweite sowjetische Intervention. Nagys und Kádárs Rundfunkansprache. Beginn der Massenflucht in den Westen. Nagy und Mitarbeiter flüchten in jugoslawische Botschaft

November: Streikwellen, militärischer Widerstand bricht zusammen

22.-23. 11.: Nagy und Mitarbeiter werden vom KGB entführt und nach Rumänien verschleppt

Dezember: Gespräche zwischen Kádár-Regierung und Arbeiterräten scheitern. Beginn der Vergeltungsaktionen, erste Todesurteile

17. 4. 1957: Die Nagy-Gruppe wird nach Budapest zurückgebracht

16. 6. 1958: Nagy und Maléter werden hingerichtet

26. 8. 1961: Vollstreckung des letzten Todesurteils für Beteiligung an der Revolution

21. 3. 1963: Generalamnestie für inhaftierte Revolutionäre