Péter Zilahy: Die letzte Fenstergiraffe. Ein Revolutionsalphabet

Einführung: Michael Krüger

 

Zeit, Ort: Mittwoch, 13. Oktober 2004, 20.30 Uhr, Buchhandlung Lehmkuhl, Leopoldstraße 45, 80802 München (U-Bahn Münchner Freiheit)

Veranstalter: Lehmkuhl / Eichborn Verlag, Berlin / Ungarisches Institut München

Eintritt: 8,--/6,-- €

Reservierungen: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! / Telefon: (089) 380150-17

Péter Zilahy (* 1970 Budapest) nahm im Mai 2003 als Autor des UIM am Münchener Symposium „Literarisches Europa. Acht Autoren erkunden seine Grenzen" mit seiner 1999-2001 entstandenen CD-ROM „Az utolsó ablakzsiráf" (Die letzte Fenstergiraffe) teil. Nun kehrt er mit der soeben bei Eichborn in der Übersetzung von Terézia Mora erschienenen deutschsprachigen Fassung dieses zuerst 1998 ungarisch verlegten Wörterbuchromans in die bayerische Landeshauptstadt zurück. Er führt eines der originellsten literarischen Bücher der letzten Jahre im Gepäck.

Der Autor hat in kurzen Szenen von immensem Sprachwitz, einem Experiment mit sprachlichen und visuellen Assoziationen, ein eigenes Genre geschaffen. Er läßt sein Erwachsenwerden im kommunistischen Ungarn vor dem zeitversetzten Hintergrund der Belgrader Studentendemonstrationen 1996/1997 gegen das damalige jugoslawische Regime widerspiegeln. Seine persönliche Interpretation der Zeitgeschichte Ost- und Südosteuropas verbindet er mit Erfahrungen aus seiner Kindheit. Die letzte Fenstergiraffe ist literarisch und sachlich zugleich. Als raffiniertes Wörterbuch der Diktatur und des Widerstands beschreibt sie die Welt auf spielerische Weise, ausgehend von einem Kinder-ABC mit dem Titel „Fenster-Giraffe" (Ablak-Zsiráf, wobei Ablak = Fenster das erste Wort im ungarischen Alphabet ist, und Zsiráf = Giraffe das letzte). In einfachen Worten erklärte die einstige Fenster-Giraffe die ganze Welt, alles hatte seine Ordnung, jedes Problem seine Lösung. Zilahy betrachtet die historischen Vorgänge mit den unschuldigen Augen eines Kindes und behandelt seine Figuren und Leser so, wie das Regime das Volk behandelte: als Kinder. Und der westliche Leser entdeckt fast nebenbei, was die für ihn selbstverständlichen Grundwerte jenen bedeuten können, denen sie so lange verwehrt wurden.

Die letzte Fenstergiraffe wurde in 15 Sprachen übersetzt; allein in diesem Herbst erscheint sie in acht verschiedenen Ländern. In der Ukraine wurde sie (u. a. vor Canetti und Hrabal) zum „Buch des Jahres" gekürt und in den Niederlanden jüngst unter die innovativsten Romane der Weltliteratur gezählt.

Zilahy, der nach Studium der Philosophie, Anglistik und kulturellen Anthropologie zeitweilig Dozent, später Redakteur der ungarisch-englischen literarischen Internet-Zeitschrift „Link Budapest" war, verknüpft seine Arbeit als Lyriker und Prosaist häufig mit anderen künstlerischen Ausdrucksformen wie Photographie, Multimedia oder Performance. Vor einem Jahr erschien von ihm der Prosaband Drei (Stuttgart: Edition Solitude), den er mit seiner Multimediaausstellung „Wer nach Osten geht, hat den Westen im Rücken" in Stuttgart präsentiert hat. Weitere Informationen zu ihm unter www.zilahy.net.