Einladung

Prof. Dr. István Fried (Universität Szeged)

Ungarische Literaturgeschichtsschreibung und der Systemwechsel der Literatur

Zeit, Ort: Montag, 26. Januar 2004, 19.00 Uhr, Internationales Begegnungszentrum der Wissenschaft, Amalienstraße 38, 80799 München, U 3 oder U 6 Universität

Moderation: Dr. Zsolt K. Lengyel (UIM)

Mitveranstalter: Institut für Finnougristik/Uralistik der Ludwig-Maximilians-Universität München

Für die Geschichte der ungarischen Literaturgeschichtsschreibung ist die Bemühung um Kontinuität ebenso charakteristisch wie die „Realität" der Diskontinuität. Die Literaturgeschichtsschreibung im heutigen Sinne bildete sich zur Mitte des 19. Jahrhunderts im Zeichen des Historismus heraus. Sie lehnte sich an Goethes Vorstellung einer Weltliteratur und an die Fiktion einer autochthonen Nationalliteratur an. Positivistische und geistesgeschichtliche Ansätze brachten gleichfalls ihre literarhistorischen Bewertungsarten hervor. Nach 1945 wurden sie von der Hegemonie des Marxismus abgelöst. So mußten 1989, als der Dialog mit den literarischen und literarhistorischen Strömungen in Europa neu begann, künstlich unterbrochene Traditionen wiederhergestellt werden. Dabei förderten die Verarbeitungen gegensätzlicher Traditionen verschiedene Sprachen und Strategien der Interpretation zutage. Deren Konfrontation bereitete sowohl in der Literatur als auch in der Literaturgeschichtsschreibung die Rezeption verschiedener „Schulen" vor – bisweilen behinderte sie aber diese Vorgänge. Der Vortrag geht den verschiedenen Rezeptionsrichtungen nach, die in der ungarischen Literaturgeschichtsschreibung nebeneinander – oder gegeneinander? – bestehen und mit ihren Konflikten das Streben verschiedener Interpretationssprachen nach Vorherrschaft beeinflussen.

Prof. Dr. Fried (* 1934) studierte Literaturwissenschaft an der Eötvös-Loránd-Universität zu Budapest (1967 Dr. phil., 1987 PhD, 1988 Prof. Dr.). 1973-1984 war er Mitarbeiter der Budapester Széchényi Nationalbibliothek. Seit 1985 ist er Leiter des Lehrstuhls für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Attila-József-Universität in Szeged. Im Mittelpunkt seiner Forschungs- und Lehrprojekte stehen die deutsch/österreichisch-ungarischen und die slawisch-ungarischen Literaturbeziehungen im 18.-20. Jahrhundert, die Geschichte und Theorie der literarwissenschaftlichen Komparatistik und das Schaffen ungarischer sowie weltliterarischer Klassiker. Daneben entfaltet er eine rege herausgeberische und fachpublizistische Tätigkeit. Seine Abhandlungen sind außer im Ungarischen in deutscher, englischer, französischer, russischer, tschechischer, slowakischer, serbischer, slowenischer und bulgarischer Sprache erschienen. Für seine Verdienste auf dem Gebiet der literaturwissenschaftlichen Ungarnkunde grenzüberschreitenden Horizonts wurde er 1999 mit dem Herder-Preis ausgezeichnet.

Ausgewählte Werke: A délszláv népköltészet recepciója a magyar irodalomban Kazinczytól Jókaiig [Die Rezeption der südslawischen Volksdichtung in der ungarischen Literatur von Kazinczy bis Jókai]. Budapest 1979; Kelet- és Közép-Európa között [Zwischen Ost- und Mitteleuropa]. Budapest 1986; Utak és tévutak Kelet-Közép-Európa irodalmaiban [Wege und Irrwege in den Literaturen Ostmitteleuropas]. Budapest 1989, Tíz híres regény [Zehn berühmte Romane]. Budapest 1989; Márai Sándor titkai nyomában [Auf den Spuren von Sándor Márais Geheimnissen]. Salgótarján 1993; Ostmitteleuropäische Studien. Szeged 1994; Irodalomtörténések Kelet-Közép-Európában [Literarische Ereignisse in Ostmitteleuropa]. Budapest 1999; Írók, művek, irányok [Schriftsteller, Werke, Richtungen]. Szeged 2002.

Anschließend kleiner Umtrunk