Einladung

Ungarische Jazzgeschichte Von der Österreichisch-Ungarischen Monarchie bis 1950. Vortrag und Live-Musik mit einer Foto-, Plakat- und Notenausstellung

Zeit, Ort: Mittwoch, 15. Mai 2002, 19.30 Uhr, Internationales Begegnungszentrum der Wissenschaft (IBZ), Amalienstraße 38, 80799 München, U 3 oder U 6 Universität

Konzeption und Gestaltung: Tamás Kelemen (UIM), Géza Gábor Simon

Moderation: Zsolt K. Lengyel (UIM)

Teil I: Vortrag des Jazzhistorikers Géza Gábor Simon

unter Mitwirkung von Lajos Dudas (Klarinette), Philipp van Endert (Gitarre)

Teil II: Konzert von Lajos Dudas und Philipp van Endert

Was ist Jazz?

Wurde im 20. Jahrhundert eine neue musikalische Gattung geboren, ein neuer musikalischer Stil – oder nur eine neue Art der Interpretation? Oder all das zusammen? Ist Jazz die neue Volksmusik des modernen Menschen? Die Abwendung von der klassischen Musik? Der Spiegel des Lebensgefühls des amerikanischen und europäischen Menschen, der in der globalisierenden, hektischen Welt des letzten Jahrhunderts lebte? Die Begegnung euro-päischer Melodien mit den afroamerikanischen Rhythmen? Oder eine neue Qualität, in der sich das Erwähnte zeitweise und je nach Interpreten in unterschiedlichem Maße zeigt?

Jazz spielen oder im Jazzstil spielen? Von wem lernten die besitzlosen, auf Holzstücken und Blechdosen mit angeborenem, genialem Sinn für Rhythmus musizierenden Neger, die sich von der Sklaverei gerade erst befreit hatten, auf einem Instrument zu spielen? Spielten die Musiker eines Blasorchesters einen europäischen Marsch oder Jazz, als sie um die Wende des 19. und 20. Jahrhunderts auf den Straßen von Amerika umherzogen?

Hat Franz Liszt Jazz gespielt? Sind seine Musikstücke im Synkope-Rhythmus Vorgänger der Ragtime-Musik? Jazz während der Österreichisch-Ungarischen Monarchie? Was zählte zum ungarischen Jazz in der Zwischen-kriegszeit? Wer waren die ungarischen Jazzmusiker? Diejenigen, die in heimischen Klubs, in Tanzsälen Ever-greenes spielten, oder jene, die als Ungarn die Welt bereisten und die ihnen neue Musik mit heimischen Klängen „würzten"?

Begeben wir uns auf die gemeinsame Suche nach Antworten auf diese Fragen: Erinnern wir uns mit dem Jazzforscher Géza Gábor Simon an die Heldenzeit des Jazz. Der Referent ist wie kaum ein zweiter bewandert auf diesem Gebiet, und für die Darbietung der Musikbeispiele gibt es wohl keinen authentischeren Interpreten als den weltberühmten ungarischen Klarinettenkünstler Lajos Dudas. Hören wir ihnen zu!...

Anschließend laden wir zu einem Glas Wein ein.

Eintritt: 5,-- Euro

 simon

Géza Gábor Simon (*1947 Budapest), Jazzhistoriker, Fachpublizist und Journalist, ist Mitglied der Internationalen Gesellschaft für Jazzforschung (IGJ, Graz), Gründungsmitglied und Vorsitzender der Ungarischen Gesellschaft für Jazzforschung, Gründungsmitglied der Ungarischen Gesellschaft für Musikwissenschaft und Musikkritik, Kuratoriumsvorsitzender und Produzent der Stiftung für Jazzunterricht und Forschung.

Selbständige Werke nach 1990: A klarinét dimenziói. Portré Dudás Lajosról [Die Dimensionen der Klarinette. Porträt von Lajos Dudas] (Pécs, 1990); A magyar jazz 1945-1990 [Der ungarische Jazz 1945-1990] (Pécs, 1990); The Book of Hungarian Jazz (Budapest, 1992); The Chronological Ragtime Discography of the Austro-Hungarian Monarchy (mit Wolfgang Hirschenberger Budapest, 1992); Hungarian Jazz Discography 1905-1994 (Budapest, 1994); Magyar jazztörténet [Ungarische Jazzgeschichte] (Budapest, 1999); Géza Gábor Simon Presents Lajos Dudas: The Jubilee Box (Budapest, 2001).

Philipp van Endert (*1969), der Düsseldorfer Gitarrist, kann bereits auf zahlreiche Tourneen als Bandleader und Sideman zurückblicken. Konzerte und CD-Einspielungen brachten ihn bisher mit Jazz-Größen wie Mike Stern, Danny Gottlieb, Brett Willmott, Alex Gunia, Mathias Haus und Lajos Dudas (4 CD’s) zusammen. Ein Stipendium führte ihn an das renommierte Berklee College of Music (Boston/USA), wo er seine Studien in Gitarre und Komposition mit „ magna cum laude” abschloß. 1996 wurde ihm der Kulturförderpreis der nordrhein-westfälischen Hauptstadt Düsseldorf zugesprochen.

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Lajos Dudas (*1941 Budapest) studierte an der Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest. Auf Konzertreisen durch Europa präsentierte er sich danach nicht nur als Jazz- und Rockmusiker, sondern gleichermaßen als Solist mit Werken wie Carl Maria von Webers Klarinettenquintett oder Igor Strawinskys Solostücken für Klarinette. Internationale Anerkennung fand er vor allem mit seiner beim II. Internationalen Wettbewerb für Jazzkompositionen 1982 in Monaco siegreichen Komposition „ Urban Blues” . So belegte er in den 80er Jahren im „ Top People Poll ” , dem renommierten internationalen Jazz-Forum, Jahr für Jahr Spitzenplätze. Seit 1973 ist Lajos Dudas Dozent in Neuss. Daneben hat er bei Platteneinspielungen, Rundfunkproduktionen und auf Tourneen mit zahlreichen bekannten Jazzmusikern gearbeitet.

Es folgten Auftragskompositionen für die Radio-Jazz-Group Frankfurt, für das Kölner Rundfunkorchester, für das Ungarische Radio sowie für den Bayerischen Rundfunk.

Lajos Dudas tritt seit vielen Jahren bei großen europäischen Festivals auf. Seine Discographie umfaßt über 30 LP’s und Singles, die zwischen 1960 und 1990 erschienen sind.

Seine CD’s seit 1990:
Change of Time (Köln, 1990); Another Face (Köln, 1991); Urban Blues ( Köln, 1993); Play Bach (Kirchhellen/Düsseldorf, 1994/1996); Maydance (Köln, 1995/1999); Juxoli (Paris, 1995); The Akadimpex Concerts (Budapest, 1996); Encore (Köln, 1996); Chamber Musik Live (Bonn, 1990/1997); Music for Clarinet (Köln, 1997); Some Great Songs (Köln, 1998).

Ungarisches Institut München e. V.
Müncheni Magyar Intézet