EINLADUNG

„Harmonia Cælestis" Lesung mit Péter Esterházy (Budapest)

 

Zeit, Ort: Mittwoch, 12. September 2001, 20.00 Uhr, Literaturhaus, Salvatorplatz 1, 80333 München, Saal/Foyer, III. Stock (U- oder S-Bahn Marienplatz)

Mitveranstalter: Stiftung Literaturhaus, Berlin Verlag

Moderation: Thomas Steinfeld (Süddeutsche Zeitung)

 „Es ist elend schwer zu lügen, wenn man die Wahrheit nicht kennt."

 Im Roman „Harmonia Cælestis" erzählt Péter Esterházy die Geschichte einer der berühmtesten Aristokratenfamilien Europas, die sich Jahrhunderte hindurch in diejenige Ungarns und Österreichs eingeschrieben hat. Nach seinem Werk „Die Hilfsverben des Herzens" (A szív segédigéi, 1985, dt. 1988), das seiner Mutter gedenkt, stellt er nun den männlichen Zweig seiner Vorfahren in den Mittelpunkt. Dabei wird er seinem Ruf als Erneuerer der ungarischen Belletristik wieder gerecht: Sein Vaterroman setzt sich über die lineare Darstellungsform des klassischen bürgerlichen Familienromans hinweg. Buch I („Numerierte Sätze aus dem Leben der Familie Esterházy") bietet ein barockes Füllhorn an Legenden, Chroniken, Mythen und Episoden, in dem jenseits jeglicher Chronologie und ohne namentliche Nennung nur eine Hauptfigur auftritt: „Mein Vater" als Don Juan und Nichtsnutz, Magnat und Gelehrter, Bischof und Baumeister, Verrückter und Tyrann, Gesandter und Ministerpräsident. Buch II („Die Bekenntnisse einer Familie Esterházy") läßt Urgroßvater, Großvater und Vater als reale Gestalten in einem wiederholt fiktiven, aber historisch plazierten Umfeld auftreten, verlegt mithin die Erzählung ins 20. Jahrhundert, in dem die Diktatur – wirklich, wie sie war – der Familie Enteignung, Aussiedlung und Verarmung brachte. Im Dickicht von Erfundenem und wohl Wahrem zeigen sich mit steigender Anzahl der Episoden immer klarer zwei feste Pole, die das epochenübergreifende Schicksal der Esterházy einrahmen: das Alles und das Nichts. Zwischen diesen Extremen entpuppt sich jeder Wandel als Element einer letztlich alltäglichen Kontinuität. Glanz- und Tiefpunkte sind nicht der Anfang und das Ende der Familiengeschichte, sondern führen die fortlaufende Gegenwärtigkeit eines Lebensmodells vor Augen. Und der literarische Chronist widersteht der Versuchung, sie zu bejubeln oder zu beklagen. Selbst die düstersten Kapitel seiner Saga strahlen eine Mischung von gelassener Heiterkeit und spielerischer Weisheit aus, eben eine himmlische Harmonie zwischen Vergänglichem und Beständigem.

Der in Budapest geborene Péter Esterházy war ein Jahr alt, als seine Familie 1951 innerhalb Ungarns zwangsumgesiedelt wurde; erst 1957 kehrte sie nach Budapest zurück. 1974 schloß der Autor ein Mathematikstudium ab, zwei Jahre später veröffentlichte er sein erstes Buch. Er schreibt Prosa, Essays, Feuilletons, Dramen und Drehbücher. Von 1985 bis 1999 wurden sieben seiner Bücher auf Deutsch publiziert. Für die bereits mehrfach neu aufgelegte ungarische Originalausgabe von „Harmonia Cælestis" (Budapest: Magvető 2000, 711 Seiten), an der er rund zehn Jahre gearbeitet hat, erhielt er Anfang 2001 den Ungarischen Literaturpreis der privaten Stiftung Ungarn in Europa und den staatlichen Sándor-Márai-Preis. Die deutsche Ausgabe bringt der Berlin Verlag in der Übersetzung von Terézia Mora Anfang September 2001 heraus.

 Eintritt: DM 12,-- / 8,--

Kartenvorbestellung unter Telefon Literaturhaus: 089 / 29 19 34 27