E I N L A D U N G

zum 4. Vortrag der Veranstaltungsreihe „Ungarn in den Beziehungsgeschichten Ostmitteleuropas" Prof. Dr. Herwig Wolfram (Wien) Ungarn und seine westlichen Nachbarn vom 9. bis zum 11. Jahrhundert

Zeit, Ort: Dienstag, 10. Juli 2001, 19.00 Uhr c. t., Historicum der Ludwig-Maximilians-Universität, Schellingstraße 12 (oder Amalienstraße 52), 80799 München, Raum 001, Erdgeschoß (U 3 und U6, Universität)

Veranstalter: Ungarisches Institut München e. V., in Verbindung mit der Abteilung für Geschichte Ost- und Südosteuropas des Historischen Seminars der Ludwig-Maximilians-Universität München

Moderation: Dr. Gabriel Silagi, Monumenta Germaniae Historica (München)

Das fränkisch-bayerische Ostland des 9. Jahrhunderts unterschied sich von der bayerischen Donaumark, dem Ostarrîchi des 10. und der folgenden Jahrhunderte, allein schon durch seine enorme Ausdehnung. Dieser riesige Bereich zerfiel um 900, als sich die Magyaren in Pannonien niederließen, und wurde in der Zeit der Sachsenkaiser nur in seinen westlichen Teilen, im Herzogtum Karantanien und in der Babenbergermark, wiederhergestellt.

Der Begriff „Ungarische Landnahme in Pannonien" ist zwar in unseren Sprachen eingebürgert, weckt aber falsche Assoziationen. Das Wort „Landnahme" leitet sich aus dem Altnordischen her und meint zurecht den Siedlungsvorgang der Norweger und anderer Skandinavier in Island. Diese nahmen ein so gut wie menschenleeres Land in Besitz, während es sich bei allen anderen Landnahmen tatsächlich um Landwegnahmen handelte. Es wäre daher besser, von der ungarischen Niederlassung in Pannonien zu sprechen. Dieser Begriff würde auch den Umstand abdecken, daß Ungarn – und nicht die Ungarn – das Land weniger durch Eroberung, sondern eher aufgrund der Tatsache gewannen, daß sie – den meisten anderen Neuankömmlingen ähnlich – in Europa zunächst einmal als Hilfstruppen eingesetzt und auch angesiedelt wurden. Ja, es ist sicher nicht falsch, zu behaupten, daß die Ungarn erst in Ungarn Ungarn geworden sind.

Professor Wolfram (1934) ist Ordinarius für Geschichte des Mittelalters und Historische Hilfswissenschaften und Direktor des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung in Wien. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte des europäischen und österreichischen Frühmittelalters bis ins 11. Jahrhundert, die Entstehung der europäischen Völker und ihrer Verfassung, Urkundenforschung und Quellenkunde. Er ist Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der Zentraldirektion der Monumenta Germaniae Historica (München) sowie weiterer in- und ausländischer wissenschaftlicher Institutionen (z. B. British Academy und Medieval Academy of America). Seit 1994 gibt er die „Österreichische Geschichte" heraus. Seine persönliche Auswahlbibliographie verzeichnet 11 Bücher, darunter grundlegende Werke wie: Conversio Bagoariorum et Carantanorum. Das Weißbuch der Salzburger Kirche über die erfolgreiche Mission in Karantanien und Pannonien (Wien 1979); Geschichte der Goten. Entwurf einer historischen Ethnographie (München 1979, 21980, 31990, gekürzt 1983; 1985 italienische, 1988 englische, 1990 französische Ausgabe); Die Geburt Mitteleuropas. Geschichte Österreichs vor seiner Entstehung, 378-907 (Wien/Berlin 1987); Das Reich und die Germanen. Zwischen Antike und Mittelalter (Berlin 1990, 21992, englische Ausgabe 1997); Die Germanen (München 1995, 21995, 31997, 41999, 52000; polnische Ausgabe 1996); Salzburg, Bayern, Österreich. Die Conversio Bagoariorum et Carantanorum und die Quellen ihrer Zeit (Wien 1995); Grenzen und Räume. Geschichte Österreichs vor seiner Entstehung, 378-907 (Wien 1995); Konrad II. (990-1039). Kaiser dreier Reiche (München 2000).