EINLADUNG

Thomas Şindilariu, Cand. phil. (München) Die Freimaurerloge „St. Andreas zu den drei Seeblättern zu Hermannstadt" (1767-1790). Ihre Rolle in Gesellschaft, Kultur und Politik Siebenbürgens

Zeit, Ort: Dienstag, 29. Mai 2001, 17.00 c. t., Hörsaal des Instituts für Geschichte und Kultur des Nahen Orients sowie für Turkologie der Ludwig-Maximilians-Universität, Veterinärstraße 1, I. Stock, 80799 München (U-Bahn Universität)

Mitveranstalter: Historisches Seminar der Ludwig-Maximilians-Universität, Abteilung für Geschichte Ost- und Südosteuropas

Moderation: Prof. Dr. Peter Bartl, Abteilung für Geschichte Ost- und Südosteuropas

Die Entstehung von Freimaurerlogen im historischen Ungarn folgte mehreren Traditionen der europäischen Logenverbreitung. Mit der Errichtung der ersten Loge im Königreich – jener „Zu den drei Säulen" in Kronstadt (Brassó, Braşov) im Jahre 1749 – wurde in Siebenbürgen die Rezeptionslinie im Rahmen der siebenbürgisch-sächsischen studentischen Peregrinatio bestimmend. Die nach gleichem Muster entstandene Loge in Hermannstadt erfuhr aufgrund der besonderen Stellung der Stadt als Sitz der zivilen und militärischen Landesverwaltung nach 1777 eine besondere Entwicklung. Aus der sächsischen Gründung entwickelte sich eine Vereinigung, die Angehörige nahezu sämtlicher Völkerschaften Siebenbürgens integrierte. Im Selbstverständnis der damaligen Freimaurerei prägte der Gesichtspunkt der sozial-elitären Ebenbürtigkeit das Erscheinungsbild der Mitgliederstruktur weit mehr als der Aspekt einer überethnischen Orientierung. Diesem Aufnahmemuster entsprechend befanden sich in der über 250 Personen zählenden Mitgliedschaft zahlreiche Vertreter aus Heer und Verwaltung, die aus Gebieten außerhalb des Königreiches stammten.

Die zu diesem Thema verfaßte und im Sommersemester 2001 eingereichte Magisterarbeit des Referenten schließt eine Forschungslücke, indem sie die Hermannstädter Loge einerseits in die allgemeine Entwicklung der politisch-rechtlichen Rahmenbedingungen der Freimaurerei unter Kaiser Joseph II. einbettet. Andererseits untersucht sie die Wirkung der Loge auf das gesellschaftliche, kulturelle und politische Leben Siebenbürgens – einer eher nur mittelbaren und selten koordinierten Einflußnahme, deren Spuren etwa in den sächsischen, ungarischen und rumänischen Bemühungen zur Errichtung erster wissenschaftlicher Gesellschaften zu greifen sind.

Thomas Şindilariu ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Ungarischen Instituts München und der Abteilung für Geschichte Ost- und Südosteuropas am Historischen Seminar der LMU.