EINLADUNG  zum 2. Vortrag der Veranstaltungsreihe "Ungarn in den Beziehungsgeschichten Ostmitteleuropas" Dr. Luca Calvi (Universitäten Venedig und Bologna)

Die 4. ostslavische Nation: die Russinen. Ursachen und Folgen ihrer Entstehung im spätmittelalterlichen und neuzeitlichen Ungarn. Mit einem Ausblick in die Gegenwart

Zeit, Ort: Dienstag, 4. Juli 2000, 20.00 Uhr s. t., Historicum der Ludwig-Maximilians-Universität, Schellingstraße 12 (oder Amalienstraße 52), 80799 München, Raum Altbau 001, Erdgeschoß (U 3 und 6, Universität)

Veranstalter: Ungarisches Institut München e. V., in Verbindung mit der Abteilung für Geschichte Ost- und Südosteuropas des Historischen Seminars der Ludwig-Maximilians-Universität München

Moderation: Prof. Dr. Horst Glassl (Historisches Seminar/Ungarisches Institut München)

Seit dem 13. Jahrhundert sind Gebietsteile der nordöstlichen Karpaten im Rahmen der mittelalterlichen Königreiche Polen und Ungarn (heute Teilterritorien Polens, Rumäniens, der Slowakei und der Ukraine) von kleinen slavischen „Stämmen" besiedelt. Die Russinen (z. B. Huzulen, Boiken und Lemken) unterschieden und unterscheiden sich aufgrund ihres Lebensmodells und ihrer siedlungsgeschichtlichen Entwicklung von den galizischen Ruthenen, den (späteren) Ukrainern. Der Referent schildert Ursachen, Verlauf und Folgen der verspäteten Nationswerdung der – nach den Russen, Weißrussen und Ukrainern – vierten modernen ostslavischen Nation der Russinen in der Karpatoukraine, den nordöstlichen Regionen des historischen Ungarn. Anhand des Beispiels der von intellektuellen „Propagandisten" aktivierten Russinen und der Reaktion benachbarter Völker und Staaten zieht er auch einen Vergleich mit analogen Vorgängen bei Slowaken, Ukrainern und Rumänen.

Dr. Calvi (geb. 1962) studierte in Venedig Russische Sprache und Literatur und promovierte 1987/1988 in Rom mit der slavistischen Arbeit La Riconferma dell’Unione al Sinodo di Zamost’e (1720). Im Mittelpunkt seiner Forschungen, Lehrtätigkeit und wissenschaftsorganisatorischen Aktivitäten stehen die ukrainische Kultur und deren Wechselwirkungen mit der Kultur der ethnischen, sprachlichen und religiösen Minderheiten in Ostmitteleuropa, insbesondere der Lemken in Polen und der Russinen in der Ukraine, Slowakei und in Ungarn. Seit 1997 lehrt er an der Ca’ Foscari-Universität zu Venedig, seit 1999 auch an der Universität Bologna. Sein Habilitationsverfahren endet im Sommersemester 2000.

Wichtigere Werke: I libri della genesi del popolo ucraino (I). In: Annali di Ca’ Foscari 32 (1993) 1-2, 103-141; Minoranze ucraine in Ucraina, ovvero "i minori dei minori" (note sulla Rus’ Subcarpatica e sulla balcanizzazione dell’Europa Orientale). In: Letterature di Frontiera 1 (1994) 189-205; Nasce una nuova lingua slava? In: Ricerche Slavistiche 44 (1997) 407-414; The polemical works of Mychajlo Rosvyhuvs’kyj-Andrella between contemporary Ukraine, Slovakia, Hungary and Romania: the multiple faces of Rus’. In: Relaţii româno-ucraniene. Istorie şi contemporanei-tate. Satu Mare 1999, 489-502; Jerusalem versus Rome in the works of Mykhajlo Rosvyhuvs’kyj-Andrella. In: Jerusalem in Slavic Culture. Jews and Slavs 6. Ed. W. Moskovich [u.a.]. Jerusalem/Ljubljana 1999, 251-262; Minoranza grazie alle maggioranze: i Rusyny-Rusnaci dell’ex-Jugoslavia. In: Letterature di Frontiera 9 (1999) 2, 139-151.