EINLADUNG zu einer Lesung von Pál Mácsai (Budapest)„Minuten-Novellen" von István Örkény

Zeit, Ort: Donnerstag, 21. September 2000, um 19.00 Uhr, Generalkonsulat der Republik Ungarn, Vollmannstraße 2, 81927 München

Veranstalter: Ungarisches Institut München e. V., mit dem Generalkonsulat der Republik Ungarn

Begrüßung: Konsul Zsolt Bóta, Generalkonsulat der Republik Ungarn, München

István Örkény (1912-1979) entstammte einer Budapester großbürgerlichen Familie, die sich in der Förderung von Kunst und Literatur hervorgetan hat. Er studierte zunächst Chemie, dann Pharmazie; gleichzeitig legte er seine ersten literarischen Arbeiten vor. Nach dem Eintritt Ungarns in den Zweiten Weltkrieg wurde er eingezogen und 1942 als Jude zum Arbeitsdienst an die Ostfront strafversetzt. Nach russischer Gefangenschaft kehrte er 1946 in seine Heimatstadt zurück, wo er als Journalist und Dramaturg zu wirken begann. Wegen seiner Beteiligung an der Bewegung kritischer Intellektueller, die in den Oktoberaufstand 1956 mündete, wurde Örkény aus dem ungarischen Literaturleben verbannt und mußte seinen Lebensunterhalt als Ingenieur in einer chemischen Fabrik verdienen. In den sechziger Jahren, als er wieder veröffentlichen durfte, meldete er sich mit einer selbst erfundenen literarischen Gattung, den Egyperces novellák, zurück (1968, erste deutsche Übersetzung in Auswahl von Vera Thies: Minuten-Novellen. Budapest 1992). Diese Geschichten, die in der Regel vier Minuten dauern, begründen Örkénys internationales Ansehen als Meister des Absurden. Sie sind von einer scharfen Ironie durchzogen und erfassen immer auch das Groteske der tagtäglichen Wirklichkeit. Es fällt bisweilen schwer zu entscheiden, ob man über sie lachen oder eher weinen soll – in diesen pointiert-doppeldeutigen Momentaufnahmen steckt jedenfalls hinter der Banalität der Alltagssituationen die bittere Lebenserfahrung des Schriftstellers, ja des intellektuellen Ungarn in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Pál Mácsai (geb. 1961) ist einer der prominentesten Schauspieler Ungarns. Er studierte in seiner Geburtsstadt Budapest an der Akademie für Schauspielkunst. In den achtziger Jahren war er an mehreren ungarischen Schauspielhäusern tätig (Nationaltheater, Madách-Theater). Seit 1991 arbeitet er als freier Schauspieler und Regisseur in der ungarischen Hauptstadt. Bekannt und geschätzt ist er auch als Fernseh-Moderator literarischer Sendungen und als Rezitator in Funk und Fernsehen. Auf seinen ausländischen Lesereisen setzt er sich insbesondere für die Verbreitung des Werkes von István Örkény ein. Sein aktuelles Programm hat er aus der jüngsten und kompletten Übersetzung der Minuten-Novellen, besorgt von der Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Terézia Mora, zusammengestellt und im September 1999 im Budapester Goethe-Institut uraufgeführt.

Nach der Lesung lädt das Generalkonsulat zu einem kleinen Büfett ein.