EINLADUNG zum 3. Vortrag der Veranstaltungsreihe "Ungarn in den Beziehungsgeschichten Ostmitteleuropas"

Zeit, Ort: Dienstag, 7. November 2000, 19.00 Uhr c. t., Historicum der Ludwig-Maximilians-Universität, Schellingstraße 12 (oder Amalienstraße 52), 80799 München, Raum Altbau 001, Erdgeschoß (U 3 und 6, Universität)

Veranstalter: Ungarisches Institut München e. V., in Verbindung mit der Abteilung für Geschichte Ost- und Südosteuropas des Historischen Seminars der Ludwig-Maximilians-Universität München

Moderation: Prof. Dr. Gerhard Grimm (Historisches Seminar der LMU)

Das Judentum in Ungarn war bis zur Dreiteilung des Stephansreiches nach 1526 großenteils deutschen und böhmisch-mährischen Ursprungs. Einer seiner Zweige stammte aus den norditalienischen Gebieten, also ebenfalls aus dem mittelalterlichen Deutschen Reich. Laut den ältesten Quellen hatten die gesellschaftlichen und kulturellen Außenkontakte der ungarländischen Juden beinahe ausschließlich einen deutschen Hintergrund. Dieser in Ostmitteleuropa keineswegs singuläre Umstand hängt mit der herausragenden Stellung der örtlichen Stadtbevölkerung deutscher Abstammung zusammen, die bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhalten blieb und auch die Lage des neuzeitlichen Judentums in Ungarn nachhaltig beeinflußte.

Der Vortrag bietet in einem beziehungsgeschichtlichen Abriß eine Darstellung in einem jüdisch-christlichen und einem deutsch-ungarischen Kontext.

Dr. Haraszti (geb. 1947) schloß sein Erststudium 1973 mit der Promotion in Biochemie ab. Von 1973 bis 1976 lebte und arbeitete er in der Bundesrepublik Deutschland. 1974/1975 begann er das Geschichtsstudium an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität, das er 1982 in Budapest an der Eötvös-Loránd-Universität (ELTE) mit dem Diplom abschloß. Danach war er am Hauptstädtischen Archiv Budapest, am Institut für Geschichtswissenschaft der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und in der Forschungsgruppe für Judaistik an der ELTE tätig. Im August 1998 wurde er zum Leiter des Lehrstuhls für Geschichte und Religionsphilosophie der Budapester Landes-Rabbiner-Schule / Jüdische Universität und gleichzeitig zum wissenschaftlichen Direktor der Ungarischen Jüdischen Archivs ernannt. Seit Juni 2000 ist er Stellvertretender Direktor der Stiftung Europa-Institut in Budapest.

Dr. Harasztis wissenschaftliches Interesse gilt hauptsächlich der ungarischen wirtschaftshistorischen Statistik, den antiosmanischen Befreiungskriegen (1683-1688), der Geschichte und den archivalischen Denkmälern der Juden Ungarns bis 1918 und der Wirtschafts- und Gesellschaftsgeschichte von Preßburg (Pozsony, Bratislava) und Kaschau (Kassa, Košice) im 16.-18. Jahrhundert.

Neuere Werke in Auswahl: The Return of the Jews to Hungary in the 18th Century. In: Rivista di Studi Ungheresi 1998, Nr. 12, 33-56; Methodological Approaches and Sources in the New Hungarian-Jewish Historiography. In: Moshe Carmilly Center Yearbook 7 (1998) 181-196; Két világ határán [An der Grenze zweier Welten]. Budapest 1999; Jude zu sein (im Lexikon). Überlegungen eines Stichwortschreibers. In: Angezogen und abgestoßen. Hg. Tamás Lichtmann. Frankfurt/Main 1999, 275-287.