Internationale Tagung

Veranstalter:

Südosteuropa-Gesellschaft München e. V.

Ungarisches Institut München e. V.

 

Carl Friedrich von Siemens-Stiftung, München/Nymphenburg

13. – 14. November 2000

 

Programm

(Stand: 8. November 2000)

Vorbemerkung

Die Vojvodina (ung. Vajdaság) umfaßt in der Teilrepublik Serbien der Bundesrepublik Jugoslawien auf rund 21.000 Quadratkilometern Teile der historischen Landschaften Batschka, Banat und Syrmien. Vom Mittelalter bis zum Zweiten Weltkrieg gehörte sie abwechselnd dem Regnum Hungaricum, dem Osmanischen Reich, der Habsburgermonarchie, der Österreich-Ungarischen Monarchie, schließlich dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen an, ohne je eine nennenswerte administrative Eigenständigkeit innerhalb der jeweiligen Staatsformation zu erringen. Nach kriegsbedingter Zergliederung von 1941 bis 1945 erfuhr die Vojvodina erstmals eine verfassungsrechtliche Aufwertung. Als Autonome Provinz der Föderativen Volksrepublik (später Sozialistischen Föderativen Republik) Jugoslawien war sie bis Ende der 1980er Jahre in ein System der Selbstverwaltungen eingefügt. Dessen territoriale und gesellschaftliche Aufbauelemente waren einerseits miteinander, andererseits mit der Republikspitze verzahnt und sollten die Suche nach dem Gleichgewicht für das flächendeckende Völkermosaik abfedern.

Die Volkszählung 1981 verzeichnete unter den etwas mehr als zwei Millionen Einwohnern der Vojvodina mehrere Dutzend verschiedene Völker, Nationalitäten und ethnische Gruppen und war somit das kleinräumige Spiegelbild der demographischen Verhältnisse im Nachkriegsjugoslawien, in dem der serbische Bevölkerungsanteil 54 % betrug (in der Vojvodina 37 %).

Die Autonomie der Vojvodina wurde am Ende der 1980er Jahre durch die Rückverlagerung rechts-, wirtschafts-, sicherheits- und bildungspolitischer Kompetenzen an die Bundesregierung erheblich eingeschränkt. Das eigene Parlament, das ihr sowohl eine innerregionale als auch gesamtwirtschaftliche Wirkungsebene verliehen hatte, blieb aber nach der Ausbildung der Bundesrepublik Jugoslawien (Serbien und Montenegro) im Rahmen der serbischen Teilrepublik formell erhalten. Über seine Zusammensetzung wurde bei den jugoslawischen Präsidenten- und Parlamentswahlen sowie den serbischen Kommunalwahlen vom 24. September 2000 mit abgestimmt. Nach den Ereignissen vom 5. Oktober 2000 steht die Bundesrepublik Jugoslawien vor einem Neuanfang. Zu hoffen ist auf eine schnelle Demokratisierung und grundlegende Sanierung der Wirtschaft. Eine wichtige Weichenstellung für die Vojvodina wird durch die vorgezogenen Neuwahlen des serbischen Parlaments im Dezember 2000 zu erwarten sein.

Die Vojvodina als Vielvölkergebiet des seinerseits multiethnischen Jugoslawiens wirft die Frage nach den Möglichkeiten und Schranken einer Interessensabstimmung mit mehreren Dimensionen auf: ein Ausgleich innerhalb der Region und zugleich zwischen Zentrum und Region.

Die Tagung konzentriert sich auf den innerregionalen Problembereich im Kontext des serbisch-ungarischen Verhältnisses. In den Zusammenhang zeitgeschichtlicher und gegenwärtiger Ereignisse eingebettet, bietet sie zwei Arten der Annäherung an ihr Thema. Zum einen bringt sie Sachreferate, die sich mit den verfassungs-, wirtschafts-, innen-, kultur-, nationalitäten-, nachbarschafts- und minderheitenpolitischen Faktoren in der Entwicklung der Vojvodina seit 1945 bis in die Gegenwart auseinandersetzen. Zum anderen präsentiert sie in einem – von der Südosteuropa-Gesellschaft organisierten – serbischen und einem – vom Mitveranstalter zusammengestellten – minderheitsungarischen Block aktuelle Erfahrungsberichte aus der Region selbst. Hier sollen gerade auch die Unterschiede in den Reformvorstellungen derjenigen Akteure deutlich werden, die sich vom bisherigen Regime distanzieren. Die überregionalen Bezüge dieses auf offenen Diskurs angelegten Gedankenaustausches sollen die Ausführungen eines maßgeblichen ungarischen Außenpolitikers und Budapester Regierungsvertreters einblenden. An die Einladung eines Belgrader Kabinettsmitglieds entsprechenden Ranges und gleicher demokratischer Ausrichtung war während der Tagungsvorbereitungen angesichts des ungewissen Ausgangs der Septemberwahlen und der darauffolgenden Umwälzungen in Belgrad nicht zu denken.

 

Südosteuropa-Gesellschaft e.V. (SOG)

Ungarisches Institut München e.V. (UIM)

München, im Oktober 2000

 

Tagungsprogramm

Montag, 13. 11. 2000

9.00: Eröffnung und Begrüßung

Dr. Dr. h. c. Roland Schönfeld, Vizepräsident der SOG / Prof. Dr. Horst Glassl, 1. Vorsitzender des UIM

 

Die Region Vojvodina in zeitgeschichtlicher Dimension
Moderation: Dr. Roland Schönfeld

09.30: Vojvodina’s Status in Yugoslavia 1945-2000
Prof. Dr. Tibor Várady, Central European University, Budapest / Emory University, Atlanta

10.00: Ungarische Minderheit, jugoslawische Nationalitätenpolitik und jugoslawisch-ungarische zwischenstaatliche Beziehungen nach dem Zweiten Weltkrieg
Carl Bethke, M. A., Osteuropa-Institut, Freie Universität Berlin

10.30: Diskussion

11.00: Kaffeepause

11.30: Neueste politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklungen in der Vojvodina
Matthias Rüb, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Budapest

12.00: Diskussion

12.30: Mittagessen

 

Aktuelle Lage und Entwicklungsmöglichkeiten der Region Vojvodina (I)
Moderation: Dr. Johanna Deimel, SOG

14.30: Die Vojvodina als Gegenstand der serbischen/jugoslawischen Innenpolitik
Verica Spasovska, Deutsche Welle Köln

15.00: Kaffepause

15.30: Rechtliche, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rahmenbedingungen der Lokalverwaltung in der Vojvodina

  • Prof. Dr. Dejan Janca, Universität Novi Sad
     

  • Srđan Miković, Bürgermeister von Pančevo
     

  • Goran Nikolić, M.A., München

 17.00: Diskussion

 17.45: Pause

 

Die Vojvodina im europapolitischen Zusammenhang

18.00: Hungary’s policy of integration in Europe and the Hungarian minority in the Vojvodina
Zsolt Németh, Parlamentarischer Staatssekretär im Außenministerium Budapest

Anschließend Empfang gegeben vom Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, Herrn Staatsminister Erwin Huber, in der Schloßwirtschaft zur Schwaige im Schloß Nymphenburg (neben der Siemens-Stiftung)

 

Dienstag, 14. November 2000

Aktuelle Lage und Entwicklungsmöglichkeiten der Region Vojvodina (II)
Moderation: Dr. Kathrin Sitzler, Südost-Institut

09.00: Autonomiekonzepte ungarischer Minderheiten in Ostmitteleuropa. Ein Vergleich unter besonderer Berücksichtigung der Vojvodina
Dr. Kinga Gál, European Centre for Minority Issues, Flensburg

09.30: Rechtliche, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rahmenbedingungen der Lokalverwaltung in der Vojvodina

  • Dr. András Ágoston, 1. Vorsitzender der Ungarischen Demokratischen Partei in der Vojvodina (Vajdasági Magyar Demokrata Párt, VMDP), Temerin
     

  • Dr. László Józsa, 2. Vorsitzender des Verbandes der Vojvodina-Ungarn (Vajdasági Magyar Szövetség, VMSZ), Subotica / Szabadka
     

  • Dr. Attila Juhász, Vorstandsmitglied des VMSZ und Bürgermeister von Senta / Zenta

 11.00: Diskussion

 11.30: Kaffeepause

12.00: Schlußdiskussion / Zusammenfassung der Tagungsergebnisse
Moderation: Dr. Ralf Thomas Göllner, UIM

 Anschließend Empfang der Carl Friedrich von Siemens-Stiftung


Organisatorische Hinweise

 1. Der Tagungsort – die Carl Friedrich von Siemens-Stiftung, Südliches Schloßrondell 23, 80638 München, Tel. 089 / 178033-19 – ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie folgt zu erreichen:

Ab Hauptbahnhof Ausgang Arnulfstr. mit der Straßenbahn Linie 17 (Richtung Amalienburgstr.), Haltestelle: Schloß Nymphenburg, Südliche Auffahrtsallee Richtung Schloß Nymphenburg gehen, links in das Südliche Schloßrondell einbiegen, die CfvSiemens-Stiftung befindet sich am Ende des Rondells.

2. Die Anmeldungen zum Mittagessen am Montag, dem 13. November, bitten wir, auf dem Rückmeldebogen vorzunehmen.

3. Fahrtkosten können nicht erstattet werden. Teilnahmegebühren werden nicht erhoben. Für Personen- und Sachschäden bei der An- und Abreise sowie während der Tagung übernehmen die Veranstalter keinerlei Haftung.

4. Eventuelle Programmänderungen werden hier auf der Homepage mitgeteilt.

5. Für Rückfragen steht Ihnen die Tagungsorganisation zur Verfügung:

Dr. Johanna Deimel, Südosteuropa-Gesellschaft, Widenmayerstr. 49, 80538 München,
Tel. 089 / 21 21 54-0, Fax. 089 / 22 89 469, e-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Dr. Ralf Thomas Göllner, Ungarisches Institut München, Beichstr. 3, 80752 München,
Tel. 089 / 34 81 71, Fax. 089 / 39 19 41