Ungarisches Institut München / Müncheni Magyar Intézet

 

Zsolt K. Lengyel

Hungarologie im Ungarischen Institut München.

Grundlagen, Ursachen und Ziele der Neuprofilierung um die Jahrtausendwende*

 

I. Zur Forschungs- und Lehrtradition: Hungarologie als interdisziplinäre Regionalwissenschaft

Das Ungarische Institut München (UIM, Müncheni Magyar Intézet, MMI) steht seit seiner Gründung im Jahre 1962 in der Tradition der Hungarologie als interdisziplinäre Regionalwissenschaft. Es betätigt sich im Zeichen des Anspruchs, eigenen Mitarbeitern und auswärtigen Kollegen gesellschafts- und kulturhistorische sowie philologische Zugriffe auf ungarnkundliche Themen mit kleinräumlichen, aber auch staatenübergreifenden Sachbezügen zu ermöglichen.1 Die Umsetzung dieses Ziels findet seit Anfang 2000 unter neuen Rahmenbedingungen und Verwendung teilweise neuer Mittel statt.2

Die Konzeption von Forschung und Lehre, an die sich das UIM anlehnt, wurde im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts inhaltlich und organisatorisch am Ungarischen Institut der Friedrich-Wilhelm-Universität zu Berlin erstmals ausgeprägt. Sie erhielt die Sammelbezeichnung „Ungarologie", die sich später zu „Hungarologie" abrunden ließ.3 Die auswärtige Wissenschaftspolitik des mit Deutschland freundschaftlich verbundenen Ungarn gehörte zu ihren entschlossenen Förderern und Mitgestaltern. Dieses graduale und postgraduale Bildungsprogramm beschränkte sich allerdings nicht auf die ungarisch-deutschen Beziehungen. Es war in verschiedenen europäischen in Collegien sowie universitären Instituten, Lektoraten und Bibliotheken geistes- und naturwissenschaftlich ausgebildeten Stipendiaten aus Ungarn anvertraut und sollte auch die kulturelle Entwicklung in deren Heimat befruchten. Überdies vermischte es sich mit der Vorstellung, den nach dem Ersten Weltkrieg völkerrechtlich besiegelten Verlust ungarischer staatsnationaler Einheit durch überdurchschnittliche intellektuelle Leistungen in der ausländischen Öffentlichkeit auszugleichen und damit letztlich auch den geschädigten politischen Ruf Trianon-Ungarns zu verbessern.4

 

II. Merkmale der Institutsentwicklung: Wissenschaftlichkeit, Integration von Hungarologie und Interdisziplinarität

Die Geschichte des UIM ist die Geschichte von Bemühungen, aus dem eben umrissenen Ursprungsumfeld die zeitgemäßen Elemente zu übernehmen und den eigenen Rahmenbedingungen anzupassen. Sie ist somit ein Fallbeispiel für den Versuch zur Modernisierung der regionalwissenschaftlich-interdisziplinären Hungarologie. Diesem Vorhaben spüren nachfolgende Ausführungen nicht – wie die bisher publizierten institutsgeschichtlichen Abrisse und Tätigkeitsberichte5 – chronologisch oder nach Arbeitsfeldern nach. Sie wählen sich vielmehr drei Leitaspekte, unter denen die Chancen und Schranken der Erneuerungsfähigkeit der angenommenen Forschungs- und Lehrtradition in den ersten rund drei Jahrzehnten des Instituts, damit auch die Grundlagen und Ursachen für dessen jüngste Neuprofilierung zu greifen sind:

  1. Wie verhielt sich das UIM gegenüber den überlieferten außerwissenschaftlichen Motiven der Hungarologie?

  2. In welcher Richtung und Reichweite befolgte es den Anspruch auf Integration von Hungarologie?

  3. Welche Mittel und Schwerpunkte boten sich ihm bei der Umsetzung der Interdisziplinarität an?

 

1. Der Umweg zur wissenschaftlichen Zweckbestimmung

Als das UIM im März 1963 bei einem Münchener Registergericht als unabhängiger, privater Verein mit eigenem Institut eingetragen wurde, gehörten Deutschland und Ungarn verfeindeten Machtblöcken an. Wenn es sich ein politisches Ziel setzen wollte, so nicht – wie es die oben erwähnten hungarologischen Einrichtungen in der Zwischenkriegszeit getan hatten – mit Hilfe und im Interesse einer Budapester Regierung. Das ungarische Exil in Westeuropa, aus dem seine Gründer stammten, war unter der Nachwirkung des niedergeschlagenen Aufstands von 1956 stärker denn je auf antikommunistische Aufklärungsarbeit und zugleich darauf eingestellt, sich selbst noch eine ganze Weile in fremder Umgebung sprachlich-kulturell erhalten zu müssen.6 Dieser doppelten Funktionsbestimmung waren im allgemeinen auch diejenigen Personen verpflichtet, die das UIM in der Atmosphäre des Kalten Krieges erdacht hatten.7 Die Entscheidung, wie sie die Institutsaufgaben im besonderen ausrichten sollten, fiel mit der Wahl des ersten Vorsitzenden des Trägervereins beziehungsweise Institutsleiters. Thomas von Bogyay (1909-1994)8 war nach seiner Emigration aus Ungarn 1945 hauptberuflich im Münchener Sender Freies Europa als Redakteur beschäftigt. Seine publizistische Berufstätigkeit widmete er in der Regel historischen, darunter regelmäßig kunstgeschichtlichen Themen. Sie lebte aus seinen Forschungen, die er mit mediävistischem Schwerpunkt in den dreißiger Jahren noch in Ungarn begonnen, zeitweise als Stipendiat an den damaligen ungarischen Instituten zu Berlin und Rom erweitert hatte und nun in seiner Freizeit oder, wenn es die Dienstpflichten erlaubten, an seiner Arbeitsstelle betrieb und sowohl methodisch als auch inhaltlich ausbaute. Angesichts der parteistaatlichen Steuerung der Geschichtsschreibung in Ungarn sowie des Umstandes, ihr selbst nicht ausgeliefert zu sein, fühlte sich Bogyay dazu verpflichtet, Einseitigkeiten und Verzerrungen in der Gestaltung des historischen Ungarnbildes mit wissenschaftlichen Mitteln entgegenzutreten. So verlieh er dem UIM eine politisch verursachte apolitische Grundfunktion: die der sachgerechten Erfassung, Aufbereitung und Vermittlung von ungarnkundlich einschlägigen Informationen in deutscher Sprache.9

Die erste Satzung vom 12. Dezember 1962 spiegelt allerdings nicht nur Bogyays fachliche Leitprinzipien wider. § 2 sah die „Pflege und Förderung der ungarischen Wissenschaft und Kultur und deren Nutzbarmachung für die Praxis" durch Sammlungs-, Gutachter-, Forschungs-, Publikations- und Veranstaltungstätigkeiten vor. Zu den Zielsetzungen zählte sie aber auch die Förderung des ungarischen kulturellen Lebens in Bayern und der Bundesrepublik Deutschland im Mittelpunkt. Die wissenschaftliche, am umfassendsten formulierte Aufgabe bestand nach § 2, A, 1 vornehmlich in der „Erforschung der geschichtlichen und kulturellen Beziehungen Ungarns zu Deutschland".10 Nach seinem übergreifenden Vorsatz hatte sich das UIM jedweder Tages- und Parteipolitik „grundsätzlich und unbedingt" fernzuhalten.11

Die Vermischung wissenschaftlicher und exilbezogen kultureller Vorhaben sollte sich in der ersten Phase der Institutsgeschichte beinahe verhängnisvoll rächen. Bald nach der Gründung traten „abweichende Vorstellungen über die Bestimmung"12 des UIM zutage. Ein Teil der Mitglieder befürwortete nämlich mit Hinweis auf die kulturorganisatorische Aufgabenstellung eine Umwandlung des UIM in eine nationalpolitische Arbeitsstätte, die hauptsächlich das kommunistische Regime in Ungarn bekämpfen, folglich den Grundsatz der tages- und parteipolitischen Zurückhaltung aufgeben sollte. Nach erfolglosen Schlichtungsversuchen übergab Bogyay im Frühjahr 1968 den Vorsitz in deutsche Hände, um das wissenschaftliche Kernprogramm nicht inneren Richtungskämpfen zu opfern, die zu einer allgemeinen Betriebskrise des UIM auszuarten drohten. „Nach fünfjährigem Bestehen ist es angebracht", blickte der scheidende Institutsleiter zurück, „die dem Institut von außen aufgetragenen Aufgaben zu überblicken, um festzustellen, wie weit die Berliner Tradition: ein wissenschaftliches Institut, das in das deutsche geistige Leben integriert aufklärt und informiert, eine Daseinsberechtigung besitzt. Dieser Überblick [...] bestätigt, daß ein Ungarisches Institut in der Bundesrepublik das Erbe des Berliner Instituts anzutreten hat".13

Georg Stadtmüller (1909-1985), in der zweiten institutsgeschichtlichen Phase Bogyays Nachfolger als Vereinsvorsitzender und hauptamtlich Professor für Geschichte Ost- und Südosteuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München,14 band seine deutschen Schüler in die Tagesgeschäfte ein und ließ einen Teil der exilungarischen Vereinsmitglieder durch Deutsche austauschen. Die novellierte und heute noch gültige Satzung von 1972 paraphierte in § 3 die Einschränkung auf die wissenschaftliche Zielsetzung, nämlich die „Förderung der Ungarn-Forschung" durch „Herausgabe wissenschaftlicher Veröffentlichungen und die Abhaltung wissenschaftlicher Tagungen und Vorträge". Gleichzeitig fiel aus ihr der Artikel zur exilbezogenen Kulturarbeit, damit der vormalige Angelpunkt ihrer politischen Deutung, heraus.15 Unter Stadtmüllers Schüler Horst Glassl,16 seit 1980 erster Vorsitzender des Trägervereins, vergrößerte sich die deutsche Mehrheit unter den Mitgliedern des Vereins, während unter den Institutsmitarbeitern der Anteil ungarischer oder teilweise ungarischer Abstammung aus der zweiten Exilgeneration anstieg.17

Obige personelle Restrukturierungen übten aber keinen Einfluß auf die spätestens seit den frühen 1970er Jahren alleinige Zweckbestimmung der Institutstätigkeiten aus. Denn die Notwendigkeit, die Satzung in der erwähnten Weise zu bereinigen, folgte nicht aus der Nationalität der Vereinsmitglieder, sondern aus der Erkenntnis, daß es für das UIM eben keine anderen sinnvollen Aufgaben geben könne als die einer ungarnkundlichen Einrichtung. Bogyay hatte diese Meinung von Anbeginn vertreten, ohne sie gegen seine Widersacher endgültig durchsetzen zu können. Als waschechter Gelehrter räumte er Fachfragen gegenüber allen anderen Angelegenheiten des Instituts Vorrang ein. Für Vereinskämpfe war er wenig geschult, zumal ihn während der 1960er Jahre die Erwartungen eines noch recht aktionsfreudigen politischen Exils herausforderten. Dessen Agilität nahm ab den frühen 1970er Jahren deutlich ab,18 ein Umstand, der die offenbar unwidersprochene Umwandlung der Nationalitätenstruktur der Vereinsmitgliedschaft mit erklärt.

Der erste Wechsel in der Leitung klärte jedenfalls das Selbstverständnis des UIM mit einer Lösung ab, die sich für alle Beteiligte langfristig tragbar erwies. Er war nämlich hauptsächlich ein formaler: Bogyay verfolgte – als zweiter Vorsitzender des Trägervereins – bis zu seinem Tod das Alltagsgeschehen im Institut, ohne dessen administrativen Belange verantwortlich behandeln zu müssen.19 So vermochte er jene Funktion befreit zu erfüllen, die ihm uneingeschränkt lag: die des Wissenschaftlers. Als solcher half er den nachfolgenden ersten Vorsitzenden mit Rat und Tat, jene inhaltliche Konzeption fortzuführen, die er bei der Institutsgründung vorgewiesen hatte.

 

2. Richtung und Reichweite der Integration von Hungarologie

Die erwähnten Änderungen seiner Satzung und Nationalitätenstruktur hätten den wissenschaftlichen Charakter des UIM nicht gefestigt und gesichert, wenn er nicht zugleich durch eine klare Wirkungsrichtung unterbaut worden wäre. Dazu wurden die Weichen bereits in der ersten Entwicklungsphase gestellt. Bogyay hatte das UIM auf eine „strukturelle Integrierung in das deutsche geisteswissenschaftliche Leben" eingestellt,20 ohne dafür eine staatsungarische Hilfe zu erwarten, wie sie etwa dem einstigen Berliner Ungarischen Institut zuteil geworden war.21 Auch in dieser Hinsicht läßt sich die Erneuerung der übernommenen Forschungs- und Lehrtradition verdeutlichen. Denn Bogyay entlieh seine Argumente für die Daseinsberechtigung des UIM nicht der in der Zwischenkriegszeit gültigen außen- und nationalpolitischen Programmatik Budapests, sondern der Analyse der bundesdeutschen Institutions- und Publikationslandschaft der 1960er Jahre, wie anhand der Einrichtung der Buchreihe des Instituts, der ,Studia Hungarica‘, beispielhaft zu belegen ist. Die Monographienreihe des Berliner Vorbildinstituts, die bis 1940 auf 35 Bände angewachsene ,Ungarische Bibliothek‘, war nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wiedererstanden, während das Fortsetzungsorgan der von 1921 bis 1944 ebenfalls am Berliner Institut herausgegebenen ,Ungarischen Jahrbücher‘, nämlich die Göttinger ,Ural-Altaischen Jahrbücher‘, seit ihrem ersten Jahrgang 1965 nahezu ausschließlich philologische Themen aufgriffen.22 Deshalb sollte die ,Studia Hungarica’ eine „erhebliche Lücke mindestens zum Teil" füllen, und zwar durch den zwanglos aufeinanderfolgenden Abdruck von „Abhandlungen über Probleme der Geschichte und Kultur der Ungarn und ihrer Beziehungen zu den Nachbarvölkern, insbesondere den Deutschen".23 Aus diesen schlichten Worten ging 1964 eine verlegerische Unternehmung hervor, die alle Publikationsprojekte aus der Gründerzeit des UIM überlebt hat und 2001 bei Band 47 angelangt ist.24

Eine statistisch-deskriptive Analyse der ,Studia Hungarica‘ wurde zuletzt 1996 unter Berücksichtigung der Bände 1 bis 42 vorgenommen.25 Sie kann, hier mit den Bänden 43 bis 47 ergänzt, einerseits nach der Autorenschaft erfolgen, die nach Nationalität und Staatsbürgerschaft recht gemischt ist: bisher waren 22 Magyaren aus dem Westen, das heißt Emigranten oder deren Nachkommen, 15 Deutsche, 4 Magyaren aus Ungarn, 2 Deutsche aus Ungarn und 1 Nichtmagyare aus dem Westen vertreten; zu drei Titeln steuerten Deutsche und Magyaren aus Ungarn und aus dem westlichen Ausland sowie Nichtmagyaren aus dem Westen gemeinsam Beiträge bei. Andererseits bietet sich zur inhaltlichen Vorstellung der ,Studia Hungarica‘ eine mehrschichtige Systematisierung an, und zwar nach Gattungen, Perioden, Sachgebieten, Fachrichtungen und Staaten/Regionen. 2001 enthält diese Reihe 23 Monographien, 5 Editionen, je 4 Gesamtdarstellungen und Sammelbände, 3 Memoiren sowie je 2 Bibliographien, Biographien, Ortslexika und Abhandlungen. Von diesen Titeln behandeln 13 die Zwischenkriegszeit und den Zweiten Weltkrieg, 7 das 17.-19. Jahrhundert, 4 die kommunistische Nachkriegszeit, 3 das Mittelalter und die frühe Neuzeit, je 2 die Österreichisch-Ungarische Monarchie und den Ersten Weltkrieg, schließlich 2 Titel die Zeit seit 1989; 14 Werke umspannen mehrere Perioden. Mit je einer ungarisch-, einer ungarisch-/englisch- und einer ungarisch-/deutschsprachigen Ausnahme in Deutsch publiziert, decken sie folgende Sachgebiete ab: Politik, Staat, Gesellschaft, Recht (26), Kirche (7), Übergreifendes (5), Musik (3), Presse (2), Kunst (2), schöngeistige Literatur (1) und Philosophie (1). An der ,Studia Hungarica‘ wirkten bisher die Vertreter folgender Fachrichtungen mit: Geschichtswissenschaft (22), Politikwissenschaft (12), Kunstgeschichte (2), Musikwissenschaft und Musikgeschichte (2), Soziologie, Literaturwissenschaft, Philosophiegeschichte und Volkskunde (je 1). 4 Werke sind interdisziplinär angelegt. Die Einteilung nach Staaten und Regionen schließlich ergibt 38 Titel mit Bezug auf Ungarn vor oder nach 1918, 5 auf Siebenbürgen und je 1 auf Österreich-Ungarn, das Burgenland und das Banat.

Nach seinem Amtsantritt ließ Georg Stadtmüller nicht nur die ,Studia Hungarica’ weiter regelmäßig erscheinen. 1969 brachte er eine weitere Institutsreihe, das ,Ungarn-Jahrbuch‘ auf den Weg, die 2000 mit Band 25 auf den Markt kam. Im Geleitwort zur ersten Nummer griff der Begründer sinngemäß auf Argumente zurück, mit denen Bogyay fünf Jahre zuvor die ,Studia Hungarica‘ hervorgebracht hatte. Diese neue ,Zeitschrift für die Kunde Ungarns und verwandte Gebiete‘ sei, so Stadtmüller, ein „notwendiges Unternehmen", weil infolge der „allgemein vorherrschenden ,slawistischen’ Betrachtungsweise" in der Südosteuropaforschung in „Deutschland und in der gesamten westlichen Welt eine Fachzeitschrift für die Erforschung Ungarns" fehle, die – wie einst die Berliner ,Ungarischen Jahrbücher‘ – „den ungarischen und außerungarischen Forschern die Möglichkeit zur Veröffentlichung in einer westlichen Weltsprache bietet und die westliche Welt durch Buchbesprechungen und zusammenfassende Forschungsberichte über Gang und Ertrag der ungarischen Forschung unterrichtet".26

Stadtmüller suchte also – wie Bogyay – die Hungarologie am UIM in den Dienst eines disziplinspezifisch legitimierten Wissenstransfers in deutscher beziehungsweise westlicher Richtung zu stellen und sich dabei insbesondere des deutschsprachigen, ausnahmsweise englisch- oder französischsprachigen ,Ungarn-Jahrbuch‘ als nach Autorenschaft, Sachgebieten, Fachrichtungen, Gattungen und Perioden vielseitigen Publikationsforums zu bedienen.

Beachtenswerterweise entwickelte er, darin seinem Vorgänger dank der gewandelten politischen Verhältnisse voraus, auch den Anspruch, in die grenzüberschreitende Zusammenarbeit Fachvertreter aus Ungarn und aus den ungarischen Siedlungsgebieten der Nachbarstaaten einzubeziehen. In der Zeitschrift tauchten zunächst westliche ungarische oder nichtungarische Autoren auf. Seit den frühen 1980er Jahren, der beginnenden Lockerung politisch bedingter Kommunikationssperren, wuchs die Zahl der vornehmlich aus Budapest eingesandten Beiträge stetig an. Seit geraumer Zeit wechseln sich die in Deutschland, im westlichen Ausland sowie in Ungarn und in dessen Nachbarstaaten lebenden Mitarbeiter ungarischer und nichtungarischer Nationalität regelmäßig ab. Das editorische Hauptziel der mehrheitlich aus Historikern bestehenden Herausgeberschaft und Redaktion des ,Ungarn-Jahrbuch‘ war und ist am breiten Konzept der Hungarologie ausgerichtet. Obzwar es historiographischen Fragestellungen Vorrang einräumt, schließt es den Abdruck von Erträgen anderer geistes- und sozialwissenschaftlicher sowie philologischer Disziplinen ein. Seit den frühen 1980er Jahren bringt diese Zeitschrift in vermehrter Anzahl sprach- und literaturwissenschaftliche, volkskundliche, soziologische, politologische und kulturhistorische Beiträge heraus.27

Mit seinen beiden Reihen, die im eigenen Verlag Ungarisches Institut München (VUIM) herauskommen,28 trägt das UIM dem Umstand Rechnung, daß im deutschsprachigen Raum nur die finnougristisch-linguistische beziehungsweise allgemein philologische Hungarologie über eigene Publikationsforen verfügen, die regionalwissenschaftlich-interdisziplinäre Ungarnkunde hingegen prozentual unterbesetzt auf ost- und südosteuropabezogene Organe verteilt ist. Die ,Studia Hungarica’ und das ,Ungarn-Jahrbuch’ füllen mit ihrem disziplin- und raumübergreifenden sowie zeitlich uneingeschränkten Ungarnbezug eine Lücke innerhalb der einschlägigen Buch- und Zeitschriftenproduktion deutscher Sprache.29

 

3. Mittel und Schwerpunkte bei der Umsetzung der Interdisziplinarität

Uralistische Schwerpunkte einerseits, sowie die nach sowjetischem Muster betriebene auswärtige Kulturpolitik Budapests andererseits haben die deutschsprachige Ungarnkunde nach dem Zweiten Weltkrieg zum einen in der wissenschaftlichen Fachrichtung verengt, zum anderen propagandistischen, also ganz und gar nicht sachgerechten Zugriffen preisgegeben. Als Folge davon verlor die Hungarologie als interdisziplinäre Regionalwissenschaft im Vergleich zur Zwischenkriegszeit an Bedeutung: aus Budapests Auslandsinstituten wurde sie verbannt, während sie innerhalb der bundesdeutschen Ost- und Südosteuropaforschung über weite Strecken nicht einmal wahrzunehmen war.30

Unter solchen wissenschaftsgeschichtlichen Voraussetzungen mußte sich das UIM dazu angehalten sehen, seinen Funktionsprinzipien Wissenschaftlichkeit und integrative Wissensvermittlung in deutscher beziehungsweise in westlicher Richtung den Grundsatz der Interdisziplinarität hinzuzugesellen, zumal es dank seines außeruniversitären Charakters nicht an disziplinspezifische Lehrpläne gebunden war und ist. Ursprünglich befaßte es sich mit der „Geschichte, Kultur und Gesellschaftskunde Ungarns und des ungarischen Volkes".31 Im Sinne des § 3 seiner 1972 neu verabschiedeten Satzung orientiert es sich noch breiter an der „Förderung der Ungarn-Forschung insbesondere in den Bereichen Geschichte, Kultur, Landeskunde, Literatur, Sprache".32 Die Aufgabe, dieses interdisziplinäre Programm in die deutsche Wissenschaftslandschaft für die Fachöffentlichkeit sichtbar und mit historiographischem Schwerpunkt zu integrieren, übernahmen und erfüllten lange Zeit hindurch hauptsächlich seine beiden Publikationsreihen.33 Weitere Mittel dazu vermochte es sich nicht zu schaffen. Denn die grundsätzliche Offenheit gegenüber verschiedenen Sachgebieten und Annäherungsweisen in der Ungarnkunde sollte sich nicht – wie es die Gründungsväter gewünscht hatten34 – in institutseigenen Forschungen niedergeschlagen. Das UIM kam über entsprechende Ansätze in seiner Frühzeit35 nicht hinaus. Es blieb, seine Sammlungen mit der Bibliothek berücksichtigt,36 drei Jahrzehnte hindurch im wesentlichen eine forschungsorganisierende und wissenschaftsvermittelnde, somit wiederholt auch beratend tätige Einrichtung. In dieser Eigenschaft fand – und findet – es immerhin Wege, in die Münchener universitäre Lehre im Fach Geschichte Ost- und Südosteuropas Ungarn-Themen einzubringen.37

 

III. Die Neuprofilierung: wissenschaftliche Forschung und Beratung in kultureller Umgebung
1. Ursachen und der eigene Erneuerungsansatz

Ein seit langem fällige Rückblick auf den uneingelösten Forschungsvorsatz warf 1999 die Frage nicht nur nach dem Selbstverständnis, sondern nach der Existenzfähigkeit dieser Einrichtung schlechthin auf. Denn der Grund für die eben skizzierte Negativbilanz lag nicht im Desinteresse der Verantwortlichen, sondern in der Knappheit der Haushaltsmittel, die alle Institutstätigkeiten in außerordentlichem Maße behinderte. Sie hatte schon in den frühen 1980er Jahren zur Herausbildung einer besonderen Beschäftigungsstruktur geführt. Seither bestritten die 3-4 immer nur befristet und werkvertraglich beauftragten wissenschaftlichen Mitarbeiter oder Sachbearbeiter des UIM ihren Lebensunterhalt zum übergroßen Teil aus Magister-, Promotions- oder Forschungsstipendien unterschiedlicher Herkunft sowie aus Einkommen, die ihnen Hilfskraft- oder wissenschaftliche Mitarbeiterverträge am erwähnten Münchener Universitätslehrstuhl übergangsweise sicherten. Die Einbindung äußerer fachverwandter Ressourcen bestimmte so den Arbeitsalltag am UIM. Deshalb war es stets fraglich, ob und wie lange das Personal ihm auf dieser Basis zur Verfügung stehen könne.38

Im Frühjahr 1999 teilte das UIM seiner Förderstelle, dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst mit, daß sein Fortbestand aus obigen Gründen akut gefährdet sei. Um der drohenden Schließung vorzubeugen, reichte es auf ministerielle Anfrage hin einen umfangreichen Bericht über seinen bisherigen Werdegang und seine möglichen Zukunftsaussichten als arbeitsrechtlich abgesichertes, weiterhin einem eingetragenen Verein zugehöriges und konzeptionell sowie organisatorisch neu ausgerichtetes Institut ein. Als Sonderempfehlung schlug es vor, die Möglichkeiten einer Beteiligung der Republik Ungarn an seiner Fortführung auf kompetenter Ebene zu erörtern.39

 

2. Die Evaluierung: Ergebnis und Folgen40

Die zwischenstaatliche Dimension der Neuprofilierung hatte sich – nach siebenjähriger Vorverhandlung des UIM mit Budapester regierungsamtlichen Ansprechpartnern41 – seit der Sitzung der Bayerisch-Ungarischen Gemischten Regierungskommission in Passau am 25.-26. Februar 1999 herauskristallisiert. Bei dieser Gelegenheit wurde die Umwandlung des UIM in eine bayerisch-ungarische Einrichtung, die im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Zielsetzungen auch kulturelle Beziehungen pflegt und dabei von ungarischer Seite mitfinanziert wird, als Projekt der beiden Regierungen verabschiedet. Mit Schreiben vom 20. Mai 1999 an die Geschäftsführung des Instituts sagte der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán seine Bereitschaft zur konkreten Unterstützung dieser „Zusammenarbeit neuen Typs" zu. Knapp zwei Jahre später, auf der Nürnberger Sitzung der Bayerisch-Ungarischen Gemischten Regierungskommission vom 9.-10. Mai 2001, schrieben beide Seite im Gemeinsamen Protokoll zur laufenden Projektliste ihre Absicht fest, „das Ungarische Institut in München bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben langfristig zu unterstützen".42

Einen Monat vor Eingang des Schreibens von Ministerpräsident Orbán im UIM hatte der bayerische Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Hans Zehetmaier, eine deutsch, österreichisch und ungarisch besetzte Kommission mit dem Auftrag eingesetzt, Empfehlungen zur zukünftigen Aufgaben- und Organisationsstruktur des UIM sowie zu dessen Einbindung in die grenzüberschreitende bayerisch-ungarische Kooperation auszuarbeiten. Der Abschlußbericht der Kommission vom August 1999 führt aus, daß das UIM „mit seiner wissenschaftlichen Publikations-, Beratungs- und Dokumentationstätigkeit zur Erfassung von Geschichte und themenübergreifender Landeskunde Ungarns sowie der deutsch- beziehungsweise bayerisch-ungarischen Beziehungen von den Anfängen bis zur Gegenwart Erträge von hohem wissenschaftlichen Wert hervorgebracht" habe. Die Bewertungskommission „erachtet insgesamt die Existenz und die bisherige Tätigkeit des UIM als außeruniversitäre Forschungseinrichtung als einen wichtigen und nicht wegzudenkenden und damit als unverzichtbaren Beitrag für die Ungarnforschung innerhalb des bayerischen Wissenschaftssystems". Sie „spricht sich daher einstimmig für die Weiterführung des UIM" aus.43

In dieses Gesamturteil wurden eine Reihe von Vorschlägen zur inhaltlichen und organisatorischen Umgestaltung eingebaut, deren Umsetzung nach einhelliger Meinung von Institutsleitung und staatsministerieller Evaluierungskommission zwei Grundprinzipien zugrunde liegen müssen:

1. das UIM soll den bisher aus Ressourcenmangel beschrittenen Weg der vornehmlich forschungsorganisierenden Tätigkeit um ein selbstverantwortetes wissenschaftliches Arbeitsprofil ausbauen und dabei immer auch Inhalte mit Anwendungsbezug wählen, also seine Beratungsaufgabe beibehalten;

2. das UIM möge öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen wissenschaftlicher und künstlerischer Ausrichtung durchführen, soweit diese die Wahrnehmung seiner Forschungs- und Beratungsaufgaben nicht beeinträchtigen.

Im Sinne des ersten Grundprinzips bot das UIM mit einem auf Bitten der Bewertungskommission nachgeschobenen Profilentwurf44 an, zukünftig über die Betreuung seiner beiden Publikationsreihen sowie seiner Bibliothek und sonstigen Sammlungen hinaus eigene Grundlagenforschungen unter dem Arbeitstitel „Ungarn in den Beziehungsgeschichten Ost-, Ostmittel- und Südosteuropas" zu betreiben, also in einem Schwerpunktthema, das aus seinen bisherigen fachlichen Interessen wie selbstredend folgt. Inhaltlich sollen dabei Motive, Strukturen und Abläufe von innerstaatlichen und grenzüberschreitenden Integrationen und Desintegrationen behandelt werden, mit Schwergewicht auf der politischen System- und Verwaltungsgeschichte, der Nationalitäten- beziehungsweise Minderheitenfrage sowie den Kontakten zwischen Wirtschaftsräumen, Sozialordnungen, Literaturen, Sprachen und Konfessionen. Im Vordergrund stehen die deutsch-ungarischen, ungarisch-österreichischen, ungarisch-rumänischen und ungarisch-slawischen Beziehungsgeflechte sowohl in staatlicher Ebene als auch ethnisch-kultureller Zuordnung. In methodischer Hinsicht bieten sich interdisziplinäre, komparatistische und strukturorientierte Vorgehensweisen an. Neben der Geschichtswissenschaft – mit Hilfswissenschaften und historiographisch ausgerichteten Nachbardisziplinen – sowie der Politologie werden Wirtschafts-, Literatur-, Sprach- und Kunstwissenschaft sowie Ethnographie eingebunden. Längerfristiges Ziel ist, aus fachbereichsspezifischen Theorien eine Gesamtkonzeption zu entwickeln, die sich als ganzheitliche Ungarnkunde ihrerseits in den Forschungs- und Lehrbereich zu Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa einfügen läßt. Die Betonung liegt auf der Herausarbeitung von gegenseitigen Einflüssen, Analogien und Unterschieden innerhalb der jeweiligen Verhältnissysteme, also auf der Hierarchisierung der Kontakte nach deren Qualität, nicht nach deren Quantität.

Laut Abschlußbericht der Evaluierungskommission vom August 1999 habe das UIM mit dieser „ersten sehr überzeugenden Kurzanalyse den möglichen Arbeitsbereich zur Integrationsforschung" in ungarnkundlicher Hinsicht abgesteckt und sich damit einer angemessen erhöhten finanziellen Unterstützung als würdig erwiesen. Infolge dieser Einschätzung sowie aufgrund einer Empfehlung der bayerischen Staatsregierung beschloß der bayerische Landtag im Dezember 1999, die institutionelle Förderung des UIM durch den Freistaat Bayern im Wege der Fehlbedarfsfinanzierung erheblich aufzustocken. Die Personalmittel erlauben ihm seit 2000, sein bis dahin großenteils auf freiwilliger oder Drittmittelbasis bestrittenes Arbeitsprogramm in feste Hände zu legen. Sein solcherart bayerisch konsolidiertes wissenschaftliches Aufgabenfeld hat sich in Größenordnung und Charakter im Vergleich mit den 1990er Jahren nicht wesentlich verändert, nur wurde ihm die Höhe der eigenen Haushaltsmittel angepaßt. Unter diesen verbesserten Bedingungen ließen sich in den vergangenen Monaten neben Forschungs- und Beratungsprojekten einzelner Institutsmitarbeiter auch solche entwickeln – oder wieder aufgreifen – und in die Durchführungsphase überführen, die im Rahmen jeweils größerer Forschungsvorhaben an das UIM angegliedert sind.45 Auf diese Weise beteiligt sich das Institut auch an dem im Frühjahr 2001 mit finanzieller Förderung des Freistaates Bayern gegründeten Forschungsverbundes Ost-und Südosteuropa (ForOst), der mit 17 Teilprojekten die Auswirkungen der Systemumbrüche in den Ländern Ost- und Südosteuropas untersucht.46

Im Gegensatz zum ersten zielt das zweite Grundprinzip der Neuprofilierung auf eine strukturelle Vermehrung der Institutsaufgaben ab. Es hat sich aus der Überlegung herausgeschält, das UIM mit einem regelmäßigen Veranstaltungsdienst zu betrauen, den es in seiner bisherigen Geschichte aus finanziellen Gründen nur sporadisch zu leisten vermochte.47 Der ungarische Ministerpräsident trat in seinem zitierten Brief unter anderem mit Hinweis auf günstige Möglichkeiten der Vernetzung mit den Auslandsinstituten Ungarns in Wien, Stuttgart und Berlin für diese Erweiterungsoption nachdrücklich ein und beauftragte sogleich das Budapester Ministerium für Nationales Kulturerbe (Nemzeti Kulturális Örökség Minisztériuma, NKÖM), die entsprechende Mittelzuweisung an das UIM vorzubereiten. Bis Ende 1999 kamen schließlich der ungarische Kulturminister József Hámori und der bayerische Wissenschaftsminister Hans Zehetmair überein, diesen ungarischen Wunsch im Sinne der Empfehlung der Evaluierungskommission zu behandeln, also seine praktische Verwirklichung durch das UIM von der erfolgreichen Einbeziehung der zusätzlichen ungarischen Finanzierungsquellen abhängig zu machen.48

Als vorläufiges Ergebnis dieser offiziellen Absprache wurde am 21. Februar 2000, bereits nach Amtsantritt des neuen ungarischen Kulturministers Zoltán Rockenbauer, in Budapest und in München eine zunächst bis Ende 2000 befristete und vor Ablauf verlängerte Kooperationsvereinbarung zwischen dem NKÖM und dem UIM unterzeichnet.49 Sie sieht vor, daß die Republik Ungarn, vertreten durch ihr Kulturressort, rund 25% des Gesamthaushalts des Instituts vor allem zum Aufbau der Abteilung „Bayerisch-Ungarische Kulturbeziehungen" (BUK) bereitstellt. Mit dieser Zuwendung organisiert das UIM unter Mitwirkung von werkvertraglichen Teilzeitkräften in deutscher, zum geringeren Teil in ungarischer Sprache wissenschaftliche Tagungen und Vorträge, Lesungen zu klassischer und heutiger ungarischer Belletristik sowie Konzerte zeitgenössischer Musikinterpreten aus Ungarn und anderen ungarischen Siedlungsgebieten. Hierbei geht es vielfältige Partnerschaften ein. Die Abstimmungsbereitschaft, die es in den historischen und zeitgeschichtlichen Kontaktsystemen Ungarns und der ungarischen Nation auf Brüche und Beständigkeit, Antriebskräfte und Hemmnisse, Ausdrucksformen und Reichweite hin erforscht, will das UIM in seinem eigenen Alltag auch in administrativer Hinsicht bekunden, indem es bei Planung und Durchführung all seiner öffentlichen Veranstaltungen mit bayerischen und außerbayerischen Kultureinrichtungen nicht nur spezifisch ostmitteleuropäischer Ausrichtung zusammenarbeitet. Auch diese Dienstleistung folgt seiner programmatischen Vorgabe, ungarische Themen stets mit Blick auf deren Außenbezüge zu behandeln. Den beziehungsgeschichtlichen Leitaspekt setzte es bisher vor seinem Publikum im deutsch-ungarischen, ungarisch-slawischen, ungarisch-rumänischen und christlich-jüdischen Kontext unter Berücksichtigung von neueren oder jüngsten Ereignissen ein.50

 

IV. Zusammenfassung

Das UIM wuchs im Laufe von vier Jahrzehnten am Schnittpunkt zwischen deutschem und (exil)ungarischem Kulturleben in eine „spezifische Rolle"51 hinein. Zum wesentlichen Element seiner Tätigkeit wurde die Bemühung um Integration, und zwar auf zwei Ebenen: einerseits zwischen ungarischer und nichtungarischer, vor allem deutscher Wissenschaft, andererseits zwischen den verschiedenen Disziplinen der Ungarnkunde. Das UIM übernahm das Prinzip der doppelt integrationsbestrebten Wissenschaftlichkeit aus der hungarologischen Forschungs- und Lehrtradition der Zwischenkriegszeit. Dabei löste es sich aber aus deren einst entscheidenden staatsungarischen und – juristisch betrachtet – universitären Bindungen.

Die 1999 bayerisch eingeleitete Konsolidierung des UIM trat 2000 in die Phase seines bayerisch-ungarisch finanzierten Ausbaus über. Damit begann der Versuch, Elemente der ungarischen Kulturvermittlung und der bayerischen Wissenschaftspolitik auf dem Gebiet der Ost- und Südosteuropaforschung unter einem organisatorischen Dach miteinander zu verbinden. Diese grenzüberschreitende und nationsübergreifende Initiative dürfte auf der internationalen Bühne ihresgleichen suchen. Mit ihr ordnet sich das UIM in den allgemeinen Kontext der Beziehungen zwischen dem Freistaat Bayern und der Republik Ungarn ein, wobei es durch die Mischfinanzierung erstmals in seiner eigenen Geschichte in das staatliche ungarische Fördersystem eintritt, und zwar soweit, wie es sein privatrechtlicher Status in Deutschland erlaubt und ermöglicht. Auf der anderen Seite sieht es sich gerade infolge seiner institutionellen Festigung in die Lage versetzt, zu den Plänen einer Umstrukturierung der Münchener außeruniversitären Ost- und Südosteuropaforschung Stellung zu nehmen. Aus den zwischenstaatlichen und den bayerischen Rahmenbedingungen dieser internationalen Kooperation folgen mindestens sechs Gesichtspunkte, unter denen das UIM seine Neuprofilierung im Juli 2001 für einschätzbar hält:

  1. Die Beziehungen zwischen Deutschland beziehungsweise Bayern und Ungarn folgen seit gut einem Jahrzehnt erstmals in diesem Jahrhundert auf beiden Seiten pluralistisch-demokratischen Vorgaben. Sie pflegen eine Reihe von gemeinsamen Interessen, die hier wie dort dem Wunsch entspringen, in der Architektur eines neuen Europa die überstaatlichen, nationalen und regionalen Ebenen miteinander zu harmonisieren. Der bayerisch-ungarische Austausch erfaßt einerseits im Zuge des ungarischen NATO-Beitritts und Heranwachsens an die Europäische Union, andererseits infolge des bayerischen Einsatzes für kontinental integrationsfähige Demokratien in Ost-, Mittel- und Südosteuropa immer mehr Gebiete, auf denen die jeweiligen politischen Entscheidungsträger verstärkt auf wissenschaftliche Beratung und Planung sowie auf kulturelle Abfederung ihrer diplomatischen und wirtschaftlichen Kontakte angewiesen sind. Die EU-Integrationspolitik Ungarns52 und Bayerns positive Einstellung zu einer durchdachten Osterweiterung der EU ergeben einen geeigneten Rahmen für die gemeinsame Aufrechterhaltung eines Münchener Instituts, das sich mit seinem inhaltlichen Profil dem europäischen Integrationsgedanken anpaßt. Die politischen Verhältnisse liefern folglich – wie schon zu seiner Gründung im Jahre 1962 – auch zur Neuprofilierung des UIM entscheidende Anhaltspunkte. Diese sprechen diesmal dafür, das wissenschaftliche Selbstverständnis des Instituts in einen allgemeinen kulturellen Zusammenhang einzufügen. Ohne seinen ureigenen Kompetenzbereich zu überschreiten, bildet es auf diese Weise ein eng umgrenztes, aber neuartiges Kooperationsfeld heraus, auf dem ein EU-Beitrittskandidat gefordert ist, im Verhältnis mit einem EU-Mitgliedstaat über die eigene wissenschafts- und kulturpolitische Integrationsfähigkeit ein gewisses Zeugnis abzulegen. Auf der anderen Seite bietet dieses institutionalisierte Kleinprojekt Bayern die Möglichkeit, sich mit einer in der deutschsprachigen Ost- und Südosteuropaforschung lückenfüllenden Arbeitsstätte als europapolitisch weitsichtiger Wissenschaftsstandort auszuweisen.

  2. Die Regierung der Republik Ungarn unterhält im Ausland eine größere Anzahl an Instituten, die – als ausgelagerte Regierungsbehörden – in erster Linie mit öffentlichen Veranstaltungen, mehrheitlich als Agenturen für Kulturmanagement, die ungarische Kultur repräsentieren und dabei – etwa infolge des diplomatischen Dienstes ihres Führungspersonals – auch einen außenpolitischen Auftrag zu erfüllen haben.53 Das UIM dagegen war bis 2000 eine vom Freistaat Bayern allein geförderte, nach deutschem Vereinsrecht organisierte und wissenschaftlich ausgerichtete Institution. Es unterschied sich also in mehr als einer Hinsicht von den staatlichen ungarischen Kulturinstituten – und es tut das nach wie vor, nicht zuletzt durch den arbeitsrechtlichen Umstand, daß die Institutsmitarbeiter keinen ungarischen Staatsdienst versehen, sondern Angestellte eines deutschen Vereins sind. Der Aufbau der Abteilung für öffentliche Veranstaltungen mit finanzieller Unterstützung aus Budapest bezweckt nicht etwa eine Umwandlung des UIM in ein staatliches ungarisches Institut. Er ist vielmehr dessen Zukunftssicherung geschuldet, die nicht von der bürokratischen Eingliederung, sondern letztlich von der Qualität und der Vielfalt der abzusichernden Arbeit abhängt. Auch vom Budapester Förderministerium nicht unter den kulturellen Auslandsvertretungen Ungarns geführt,54 will diese Unternehmung neue Wege für die Präsentation ungarnbezogener Wissenschaft und Kultur außerhalb der formalen Diplomatie aufzeigen – im Dienste und Interesse der Wissenschaft und Kultur selbst. Sie nährt sich aus der Überzeugung, daß wissenschaftliche und künstlerische Aktivitäten im Rahmen eines ungarischen Instituts in fremdsprachiger Umgebung einander sehr wohl sinnvoll ergänzen können – wenn nur das innerungarisch seit Jahren umstrittene und viel gescholtene, aber an anderen Standorten dennoch beharrungsfähige Modell des Kulturmanagements für sich keine Ausschließlichkeit beansprucht.55

  3. Als Vermittler und Gestalter in den deutsch-ungarischen Wissenschafts- und Kulturbeziehungen weitet das UIM den Wirkungskreis der von den beiden Partnerseiten jeweils befürworteten Tätigkeitsformen aus: Es führt die ungarische Kulturvermittlung an die bayerische Ost- und Südosteuropaforschung heran, während es in der letzteren eine Tür in Richtung intellektuelle Öffentlichkeit aufschlägt. Somit bringt es einerseits konzeptionelle und thematische Synergien zustande.

  4. Andererseits erzeugt die Bündelung der Haushaltsmittel am UIM materielle Synergien, die verdeutlichen, daß subventionsabhängige kulturelle und wissenschaftliche Aktivitäten nicht nur Geld verschlingen, sondern zusätzliche und wieder einsetzbare Finanzierungsquellen zu erschließen vermögen. Die Münchener und die Budapester Zuwendung erzielen in gegenseitiger Ergänzung einen Vervielfältigungseffekt, der diese bayerisch-ungarische Zusammenarbeit auch unter haushaltstechnischem Aspekt für beide Seiten als fruchtbar ausweist.

  5. Die Vernetzung im Rahmen des UIM zwischen dem bayerisch-wissenschaftlichen und dem ungarisch-kulturellen Pol öffnet für die Kulturinstitute Ungarns im Ausland eine Nische der Partnerschaft mit einem auch kulturorganisatorisch tätigen Forschungs- und Beratungsinstitut in Bayern. Sie weist auf die Notwendigkeit und Möglichkeit hin, die Hungarologie nicht nur nicht in den Bahnen eines Kulturmanagements festfahren zu lassen, sondern ihr, wenn es die entscheidenden Rahmenbedingungen erlauben, wieder die Berufung einer interdisziplinären Regionalwissenschaft zu verleihen, die sich auch in die breitere Öffentlichkeit wagt. So sieht das UIM seine potentiellen Partner auf der ungarischen Seite über das Netzwerk der aus dem Budapester Ministerium unterhaltenen Auslandsinstitute hinaus auch in der Reihe von ungarnkundlich kompetenten Institutionen innerhalb oder außerhalb Ungarns, die wissenschaftliche Arbeitsvorhaben langfristig planen und durchführen.

  6. Auf deutscher beziehungsweise bayerischer Seite wendet sich das UIM zwei Partnergruppen zu. Im kulturellen Bereich führt es mit verschiedenen Verlagen, Stiftungen oder Vereinen öffentliche Veranstaltungen durch, die regelmäßig inhaltliche und technische Abstimmungen erfordern. Im Gegensatz zu diesen nur anlaßgebundenen und themen- oder gattungsabhängig wechselnden Kooperationen bergen seine auswärtigen Kontakte im wissenschaftlichen Bereich die Perspektive einer engen und dauerhaften Anbindung an fachverwandte Institutionen in München. Die Fragen, mit welchen, wie eng und wo sie stattfinden könnte, beschäftigen neuestens auch jene Fachgutachter, die die Lage der universitären und außeruniversitären Ost- und Südosteuropaforschung in ganz Bayern untersuchen, um deren einzelnen Einrichtungen konzeptionelle Verzahnungen mit der Option einer organisatorisch-räumlichen Zusammenlegung in München oder anderswo im Freistaat zu empfehlen. Diese Angelegenheit ist für Zuschußgeber und Geförderte von allgemeinem Interesse, sie trägt aber unterschiedliche Motive und Erwartungen der Beteiligten mit sich. Das UIM steht bereit, sie mit zu erörtern, und zwar aufgrund seiner neuprofilierten Sachkompetenz und im Sinne der Anforderungen, die aus seinem zwischenstaatlichen Charakter erwachsen. Aus der Analyse des engeren und weiteren infrastrukturellen Umfelds folgert es, daß a) im Rahmen der bayerischen Ost- und Südosteuropaforschung die Münchener Institute bisher schon vielfach fachlich-personell und mit außeruniversitärem Schwerpunkt miteinander verbunden waren, so daß sie b) wertvolle Voraussetzungen für eine Vernetzung unter sich mitbringen. Ihre jeweilige formelle oder informelle Präsenz in der universitären Lehre bliebe unberührt von ihrer organisatorischen Vereinigung, die c) so intensiv sein könnte, wie es in einer aus mehreren selbständigen Betriebsteilen bestehenden und von einer gemeinsamen Leitungsebene aus koordinierten Einheit notwendig ist. Dieses konföderative Bündnis sollte d) am alten Standort seiner Mitglieder verbleiben, damit der Aufbau von neuen Funktionselementen nicht durch Unwägbarkeiten behindert werde, die infolge der Zerstörung von gewachsenen und erprobten Strukturen zu entstehen pflegen.

 

* Im Juli 2001 aktualisierte Fassung des Vortrags gehalten auf der Tagung „Das Ungarnbild der deutschen Historiographie. Bestandsaufnahme, Tendenzen und Perspektiven", Tübingen, 10. November 2000.

1 Eine Auswahl aus den seit 1988 publizierten institutsgeschichtlichen Abrissen und Tätigkeitsberichten des Verfassers: Magyarságkutatás Münchenben. Adatok és gondolatok az Ungarisches Institut munkájáról. In: Levéltári szemle 40 (1990) Nr. 3, 37-51; Hungarológia a harmincéves müncheni Ungarisches Institutban. In: Korunk [3. Folge] 4 (1993) Nr. 4, 109-112; Töprengés egy müncheni magyar szellemi műhely jövőjén. In: Magyarság és Európa 1 (1993) Nr. 2, 75-82; Die Veröffentlichungen und Sammlungen des Ungarischen Instituts München e. V. Eine Übersicht. In: Hungarologische Beiträge 1996, Nr. 11, 241-250; Ursprünge und Entwicklung des Ungarischen Instituts München e. V. 1962-1997. Ein Beitrag zur Lage der Hungarologie in Deutschland. In: Siebenbürgische Semesterblätter 11 (1997) 109-129; Die Evaluierung des Ungarischen Instituts München e. V. (UIM). Die erste Phase der Konsolidierung und des Ausbaus. In: Ungarn-Jahrbuch 24 (1998/1999) 445-448. – Die beiden zuletzt erschienenen Aufsätze wurden in den vorliegenden Text teilweise eingearbeitet.

2 Geschichtliches und Aktuelles zum UIM mit Informationen über die noch nicht in allen Belangen endgültig erneuerte Personal- und Organisationsstruktur des UIM auch unter http://www.ungarisches-institut.de.

3 Márta Schneider: A Berlini Magyar Intézet és Collegium Hungaricum. In: Regio 3 (1992) Nr. 4, 72-101; László Kornya: Adalékok a magyar-német szellemi kapcsolatok történetéhez: Gragger Róbert, Klebelsberg Kunó és C. H. Becker együttműködése a berlini hungarológia alakulásában. In: Hungarológia 4. Tudományos, oktatásmódszertani és tájékoztató füzetek. Budapest 1993, 235-248; Gábor Ujváry: Tudós kolostor, csöndes kerttel. A berlini Collegium Hungaricum története, 1924-1944. In: Levéltári szemle 48 (1998) Nr. 2, 3-28.

4 Neuere Literatur zum Themenkreis: Gábor Ujváry: Tudományszervezés – Történetkutatás – Forráskritika. Klebelsberg Kuno és a Bécsi Magyar Történeti Intézet. Győr 1996; Gábor Ujváry: Das Institut für Ungarische Geschichtsforschung in Wien und die auswärtige Wissenschaftspolitik Ungarns in der Zwischenkriegszeit. In: Österreichische Osthefte 39 (1997) 223-243; Zsolt K. Lengyel: Hungarologie und Ungarn-Bild in Deutschland. Politische, methodische und organisatorische Probleme nach 1990. In: Das Ungarnbild in Deutschland und das Deutschlandbild in Ungarn. Materialien des wissenschaftlichen Symposiums am 26. und 27. Mai 1995 in Hamburg. Hg. Holger Fischer. München 1996, 75-95, hier 75-82; Száz év a magyar olasz kapcsolatok szolgálatában. Magyar tudományos, kulturális és egyházi intézetek Rómában (1895-1995). Hg. László Csorba. Budapest [1995].

5 Siehe in Anm. 1. Teilweise auch unter http://www.ungarisches-institut.de.

6 Gyula Borbándi: A magyar emigráció életrajza 1945-1985. Bern 1985, 158, 209-401.

7 István Jákli: Anfang des Anfangs. Ein persönlicher Bericht über den Weg zur Gründung des Ungarischen Instituts München. In: Ungarn-Jahrbuch 20 (1992) 307-310.

8 Hauptwerke in Buchform: Lechfeld. Ende und Anfang. Ein ungarischer Beitrag zur Tausendjahrfeier des Sieges am Lechfeld. München 1955; Grundzüge der Geschichte Ungarns. Darmstadt 1967. Zweite Auflage 1973. Dritte, überarbeitete und um ein Register vermehrte Auflage 1977. Vierte, überarbeitete Auflage 1991; Ungarische Ausgabe der stellenweise überarbeiteten vierten Auflage der „Grundzüge": Magyarország története távlatból. Bécs/Budapest/München 1993; Stephanus Rex. Versuch einer Biographie. Wien/München 1975. Die erste ungarische Auflage der St.-Stephans-Biographie erschien im Ausland: Stephanus Rex. Wien/München 1976. Zweite ungarische Auflage mit gleichlautendem Titel, erweitertem Text- und gekürztem Bildanhang: Budapest 1988. Vorläufig ausführlichstes Schriftenverzeichnis Bogyays im Druck: Tünde Wehli: Bogyay Tamás (1909-1994). In: Művészettörténeti értesítő 43 (1994) 275-281, hier 276-281. Seine erheblich erweiterte Fassung wird derzeit im UIM zum Druck vorbereitet.

9 Zu Bogyays fachlichem Werdegang und Tätigkeit im UIM: Zsolt K. Lengyel: Gelehrsamkeit und Menschlichkeit. Zum Tode Thomas von Bogyays. In: Ungarn-Jahrbuch 21 (1993/1994) 213-222; Lengyel: Ursprünge und Entwicklung des Ungarischen Instituts München e. V. 1962-1997, 111-121; Mária Prokopp: Bogyay Tamás XIV. századi művészettörténeti kutatásai. In: Vasi szemle 49 (1995) 203-209; Konrád Szántó: Bogyay Tamás munkásságáról. A Bogyay Tamás emlékülés bevezető előadása. In: Vasi szemle 49 (1995) 198-202; Bogyay Tamás pályaképe. Müncheni beszélgetés Györffy Lászlóval. In: Új Horizont 24 (1996) Nr. 2, 27-43. Zum Verständnis der Institutsanfänge aus Bogyays Sicht unerläßlich: Tamás Bogyay: A magyar tudomány és kultúra műhelye. In: Magyarok [Köln] 7 (1965) Nr. 2, 1.

10 Satzung und Ungarisches Institut München: Bericht 1963-1964, 10. Archiv Ungarisches Institut München. Registratur Ungarisches Institut München [im weiteren AUIM Reg. UIM], Vereinsangelegenheiten, 1962-1968.

11 Ungarisches Institut München: Bericht 1963-1964, 10. AUIM Reg. UIM, Vereinsangelegenheiten, 1962-1968.

12 Tätigkeitsbericht [1966-1968], 25. März 1968, Kap. VI. AUIM Reg. UIM, Vereinsangelegenheiten, 1962-1968.

13 Tätigkeitsbericht [1966-1968], 25. März 1968, Kap. VI. AUIM Reg. UIM, Vereinsangelegenheiten, 1962-1968.

14 Hauptwerk: Geschichte Südosteuropas. Mit 23 Karten und mit einem Anhang. Wien 1950, 2. Auflage München/Wien 1976. Zu seinen ungarischen Kontakten mit dem UIM siehe insbesondere seine Autobiographie: Begegnung mit Ungarns Geschichte. Rückblick auf ein halbes Jahrhundert. München 1984. Biographisches mit einem bis 1973 reichenden Verzeichnis seiner ausgewählten Schriften: Anneliese Pernack-Wernicke: Georg Stadtmüller. In: Südosteuropa unter dem Halbmond. Untersuchungen über Geschichte und Kultur der südosteuropäischen Völker während der Türkenzeit. Prof. Georg Stadtmüller zum 65. Gewidmet. Hg. Peter Bartl, Horst Glassl. München 1975, 7-16. Hier seien zwei ungenaue Angaben, die bei Pernack-Wernicke, 9, zu lesen sind, berichtigt: Stadtmüller übernahm das UIM nicht 1967, sondern 1968, und das UIM wurde nicht 1965, sondern 1962 gegründet.

15 AUIM Reg. UIM, Vereinsangelegenheiten, 1968-1980.

16 Hauptwerke in Buchform: Der mährische Ausgleich. München 1967; Die slovakische Geschichtswissenschaft nach 1945. Wiesbaden 1971; Das österreichische Einrichtungswerk in Galizien 1772-1790. Wiesbaden 1975.

17 Entsprechende Hinweise in den in Anm. 1 angeführten institutsgeschichtlichen Abrissen und Tätigkeitsberichten.

18 Vgl. Borbándi: A magyar emigráció életrajza 1945-1985, 209-401.

19 Vgl. Lengyel: Gelehrsamkeit und Menschlichkeit.

20 Ungarisches Institut München: Bericht 1963-1964. AUIM Reg. UIM, Vereinsangelegenheiten, 1962-1968, 10.

21 Vgl. Anm. 3 und 4.

22 Lengyel: Ursprünge und Entwicklung des Ungarischen Instituts München e. V. 1962-1997, 115.

23 Ungarisches Institut München: Bericht 1963-1964. AUIM Reg. UIM, Vereinsangelegenheiten, 1962-1968, 8.

24 Gedruckter Katalog mit den Inhaltsverzeichnissen der Bände bis zum Erscheinungsjahr 1993: Veröffentlichungen des Ungarischen Instituts München 1964-1993. In: Ungarn-Jahrbuch 20 (1992) 311-334. Fortlaufend aktualisiert unter http://www.ungarisches-institut.de. Bibliographische Hinweise zu den frühen Veröffentlichungen des UIM: Lengyel: Veröffentlichungen und Sammlungen, 243.

25 Lengyel: Veröffentlichungen und Sammlungen.

26 Georg Stadtmüller: Geleitwort. In: Ungarn-Jahrbuch 1 (1969) 7-10, hier 8-10.

27 Gedruckter Katalog mit den Inhaltsverzeichnissen der Bände bis zum Erscheinungsjahr 1993: Veröffentlichungen des Ungarischen Instituts München 1964-1993; fortlaufend aktualisiert unter http://www.ungarisches-institut.de. Band 25 (2000/2001) erscheint bis Ende 2001.

28 Verlagsnummer im Rahmen des Internationalen Standard-Buchnummern-Systems: 9803045 und 929906. Verkehrsnummer: 81417. Das ,Ungarn-Jahrbuch’ wurde von Band 1 (1969) bis Band 6 (1974/1975) durch den Verlag v. Hase & Koehler, Mainz, von Band 7 (1976) bis 18 (1990) durch den Verlag Dr. Dr. Rudolf Trofenik, München, herausgegeben. Die Bände 1 bis 3 der ,Studia Hungarica’ kamen im Verlag Schnell & Steiner, Zürich, die Bände 4 bis 10 im Verlag v. Hase & Köhler, die Bände 11 bis 39 im Verlag Dr. Dr. Rudolf Trofenik heraus. Der VUIM hat 1992 den Vertrieb der gesamten Buchproduktion des UIM seit 1964 übernommen.

29 Vergleichsdaten bei Lengyel: Veröffentlichungen und Sammlungen, 246-248.

30 Holger Fischer: Stand und Aufgaben einer interdisziplinären Landeskunde Ungarns im Rahmen der Finno-Ugristik. In: Hungarian Studies 1 (1985) 234-255; Holger Fischer: Die Lage der Hungarologie in Deutschland. In: Hungarologische Beiträge 1993, Nr. 1, 3-18; Lengyel: Hungarologie und Ungarn-Bild.

31 Ungarisches Institut München: Bericht 1963-1964. AUIM Reg. UIM, Vereinsangelegenheiten, 1962-1968, 3.

32 AUIM Reg. UIM, Vereinsangelegenheiten, 1968-1980.

33 Siehe z. B. das ,Ungarn-Jahrbuch’ als eines der für ungarische Themen meistzitierten deutschsprachigen Fachorgane: Gerhard Seewann: 1989 és más cezúrák a Magyarországra vonatkozó német történetírásban. In: Regio 11 (2000) Nr. 2, 236-279, hier 256-279 [weiterführende Bibliographie zum Aufsatz, unter Mitwirkung von Gerhard Seewann zusammengestellt von Holger Fischer].

34 Z. B. mit § 2, A der Satzung vom 12. Dezember 1962: AUIM Reg. UIM, Vereinsangelegenheiten, 1962-1968.

35 Vervielfältigte oder publizierte Erträge: János M. Bak: Die Geschichte Ungarns in den deutschen Geschichtsbüchern. I.-VI. Teil. Ungarisches Institut München. Institut für Forschung und wissenschaftliche Information. Berichte. München [1964]; Beiträge zur Lage der katholischen Kirche in Ungarn 1963, 1964. Köln/München/Wien 1964, 1965; Ungarische Arbeiter in der Bundesrepublik. Wie leben sie? München/Zürich 1965 [Ungarisch: Magyar munkás a Német szövetségi Köztársaságban. München 1965]. Vgl. Ungarisches Institut München. Sozialwissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft. Verzeichnis der Veröffentlichungen; Abschlußbericht über das Forschungsprogramm „Wohlstand ohne Kinder?" In: AUIM Reg. UIM, Veröffentlichungen/Sammlungen, 1962-1968.

36 Zsolt K. Lengyel: Hungarica-Bestände im Ungarischen Institut München. In: 19. ABDOSD-Tagung. Budapest, 11.-14. Juni 1990. Referate und Beiträge. Hg. Franz Görner. Berlin 1990, 52-62; Lengyel: Veröffentlichungen und Sammlungen.

37 Eine personell bedingte, seinen außeruniversitären Status nicht berührenden Verzahnung des UIM mit dem Institut (seit 1999: Abteilung) für Geschichte Ost- und Südosteuropas der Ludwig-Maximilians-Universität ist seit dem Amtsantritt Professor Georg Stadtmüller als Vorsitzender des UIM kontinuierlich belegbar und äußert sich neuerdings in regelmäßig auch ungarnbezogenen Lehrangeboten der Abteilung: Historicum. Zentrum für Geschichte und Archäologie. Hg. Ludwig-Maximilians-Universität München. Red. Cornelia Glees-zur Bonsen [u. a.]. München 1999, 22-23 sowie http://www.ungarisches-institut.de.

38 Lengyel: Ursprünge und Entwicklung des Ungarischen Instituts München e. V. 1962-1997, 121-122.

39 Ungarisches Institut München e. V.: Selbstdarstellung und Konsolidierungsplan. Vorlage für die Bewertungskommission des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst, 16. Mai 1999. AUIM Reg. UIM, Konsolidierungsverhandlungen 1992-1999.

40 Hierzu Textteile übernommen aus Zsolt K. Lengyel: Die Evaluierung des Ungarischen Instituts München e. V. (UIM). Die erste Phase der Konsolidierung und des Ausbaus. In: Ungarn-Jahrbuch 24 (1998/1999) 445-448.

41 Dazu Lengyel: Ursprünge und Entwicklung des Ungarischen Instituts München e. V. 1962-1997, 125-126.

42 AUIM Reg. UIM, Konsolidierungsverhandlungen 1992-1999 und Ausbau, 2000–.

43 Kommission Ungarisches Institut München e. V. des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst: Stellungnahme zur Aufgabenstellung, Struktur und Arbeit des Ungarischen Instituts München e. V. München, August 1999. AUIM Reg. UIM, Konsolidierungsverhandlungen 1992-1999.

44 Abgelegt unter http://www.ungarisches-institut.de.

45 Themenliste und ausgewählte Projektbeschreibungen unter http://www.ungarisches-institut.de.

46 Zu Ausgestaltung und Zielen von ForOst siehe die Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst 28/2001, 28. Februar 2001 (http://www.stmukwk.bayern.de/presse/feb01wk/feb28.html) und: Abayfor wächst. ForOst als 29. Mitglied der Arbeitsgemeinschaft. In: abayfor aktuell. Die Arbeitsgemeinschaft der Bayerischen Forschungsverbünde informiert, Juli 2001, 1. Die Webseite von ForOst vorläufig unter http://www.abayfor.de/forost.

47 Siehe z. B. Norbert Spannenberger: Tagungen des Ungarischen Instituts München 1992-1995. In: Ungarn-Jahrbuch 22 (1995/1996) 400-405. Für die 1970er und frühen 1980er Jahre Stadtmüller: Begegnung, 59.

48 AUIM Reg. UIM, Konsolidierungsverhandlungen, 1992-1999.

49 AUIM Reg. UIM, Ausbau, 2000–.

50 Die Daten aller seit Anfang 2000 durchgeführten und bis Ende 2001 geplanten öffentlichen Programme mit Angaben zu den Veranstaltungspartnern unter http://www.ungarisches-institut.de.

51 Borbándi: A magyar emigráció életrajza, 311.

52 Dazu jetzt als neuester Band der ,Studia Hungarica’ Ralf Thomas Göllner: Die Europapolitik Ungarns von 1990 bis 1994. Westintegration, mitteleuropäische regionale Kooperation und Minderheitenfrage. München 2001.

53 Im Juli 2001 handelt es sich um 14 Institute an europäischen und um 2 an außereuropäischen Standorten (Berlin, Bukarest, Helsinki, Kairo, London, Moskau, Neu-Delhi, Paris, Prag, Preßburg, Rom, Sofia, Stuttgart, Tallinn, Warschau, Wien); eines in New York soll seine Pforten im September 2001 öffnen: Bálint Ablonczy: Magyarország bemutatkozik a nagyvilágnak. In: Magyar Nemzet, 7. Juli 2001; Méltó külföldi képviselői országunknak. In: Magyar Nemzet, 4. Juli 2001.

54 Siehe z. B. das Interview mit Minister Zoltán Rockenbauer in: Piac és Profit, Juli 2001. Vgl. Ablonczy: Magyarország bemutatkozik.

55 Ein jüngeres Produkt der innerungarischen Diskussion über Sinn und Hindernisse der Verwissenschaftlichung der ungarischen staatlichen Auslandsinstitute: Péter Sárközy: Magyar tudományos, kulturális és egyházi intézetek Rómában [1895-1995]. In: Valóság 43 (2000) Nr. 12, 100-105, mit deutlicher, teilweise polemischer Kritik am Kulturmanagement-Modell, ohne Abwägung eventueller Vorteile einer wohl dosierten künstlerischen Öffentlichkeitsarbeit. Zur gegenwärtigen Stellung der Wissenschaft in der Tätigkeit einiger ungarischer Auslandsinstitute aus der Sicht der amtierenden Direktoren vgl. Ablonczy: Magyarország bemutatkozik.

 

Seiten zuletzt aktualisiert am: 10.1.2005

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