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Die Freimaurerloge „St. Andreas zu den drei Seeblättern
im Orient zu Hermannstadt" (1767-1790)
Ihre Rolle in Gesellschaft Kultur und Politik Siebenbürgens.
Bearbeiter: Thomas Şindilariu
Projekt abgeschlossen. Bericht veröffentlicht
unter:
Şindilariu, Thomas: Die Freimaurerloge „St. Andreas zu den drei Seeblättern
in Hermannstadt“ (1767-1790). In: Zeitschrift für Siebenbürgische
Landeskunde 25 (2002) 218-227.
Projektskizze
Die Freimaurerei übernimmt im deutschen
Sprachraum des 18. Jahrhunderts eine wichtige Rolle im Übergangsprozeß
von der ständischen zur bürgerlichen Gesellschaft. Sie gilt als Vorform
der bürgerlichen Vereinskultur des 19. Jahrhunderts, die versucht im
Geheimen einen Freiraum zu schaffen, der es ermöglicht, durch die
Teilnahme an der inneren Ordnung der Freimaurer die äußeren ständischen
Grenzen zu überwinden. Gerade aber der Aufbau einer neuen, stark
hierarchisch gehaltenen inneren Ordnung zeigt ihre noch starke Bindung an
die ständische Welt. Nach der Gründung der ersten Loge in Hamburg 1733
in Deutschland trug in besonderem Maße der Beitritt Friedrichs II. von
Preußen zur Etablierung der Freimaurerei, vor allem unter
Staatsbediensteten, als Ort der Zusammenkunft fortschrittlich und aufklärerisch
gesinnter Männer.
Die Freimaurerloge „St. Andreas zu den drei Seeblättern
im Orient in Hermannstadt" war in den Jahren 1767-1790 im Großfürstentum
Siebenbürgen tätig. Die gemischt konfessionelle Mitgliedschaft setzte
sich überwiegend aus Staatsbediensteten in Verwaltung und Heer zusammen.
Unter den insgesamt 276 Mitgliedern der Loge stellen die Siebenbürger mit
144 Personen eine knappe Mehrheit, die sich, neben einigen Vertretern
anderer Nationalitäten Siebenbürgens, zu etwa gleichen Teilen aus
Deutschen und Ungarn zusammensetzt. Die Hermanstädter Loge des 18.
Jahrhunderts ist somit eine der wenigen Vereinigungen Siebenbürgens, die
zahlreiche ethnische, ständische und konfessionelle Schranken überwand.
Unter den Mitgliedern waren der am 9. Januar 1787 zum Gouverneur Siebenbürgens
ernannte Georg Graf Bánffy, der die achtziger Jahre über der Loge
vorstand, sowie der spätere Superintendent der evangelischen Kirche
Siebenbürgens (1792-1806), Johann Aurelius Müller. Neben zwei späteren
kommandierenden Generalen für Siebenbürgen ist Ioan Molnar-Piuariu unter
den Logenangehörigen zu finden, der dem Kreis der „ºcoala Ardelean¥"
(Siebenbürgische Schule) angehörte und 1792 als einer der geistigen Väter
des „Supplex Libellus Valachorum", der für die Entwicklung des rumänischen
Nationalbewußtseins wichtigsten Schrift des 18. Jahrhunderts, anzusehen
ist.
Die Tätigkeit der Loge zerfällt in zwei große Abschnitte.
Einen ersten, der gekennzeichnet ist von der
Positionsbestimmung der Hermannstädter innerhalb des Dependenzsystems der
Freimaurerlogen. Bevor Joseph II. die Freimaurerei der Habsburgermonarchie
1782 von der des übrigen Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation
trennen ließ und sie 1785 ihrem Verwaltungsaufbau nach gliederte, sie
damit als Vereinigung der Staatsbediensteten anerkannte, ihre weitere
Ausbreitung aber verhinderte, gab es unter den Hermannstädter Freimaurern
erfolgreiche Autonomiebestrebungen gegenüber der Wiener Direktoralloge.
Sie fanden ihren Ausdruck in der Errichtung des Sub-Priorats Ungarn, das
direkt dem Großprior des Ordens der strikten Observanz Deutschlands
unterstand.
In einem Zweiten Abschnitt, in der zweiten Hälfte der
1780er Jahre, findet die Hermannstädter Loge zu einer regen, rein
freimaurerische Belange weit überschreitenden inhaltlichen Tätigkeit. So
wurde im naturwissenschaftlichen Bereich ein Mineralienkabinett und eine
botanische Sammlung angelegt. Auf geographisch-historischem Gebiet wurde
die Erstellung einer Geographie sowie einer Geschichte Siebenbürgens
geplant. In einem von der Loge unterhaltenen Lesekabinett konnten die
Logenmitglieder ihre freimaurerische und allgemeine Bildung vertiefen. In
diesen Bestrebungen sah zwar Ferdinand von Zieglauer eine konzeptionelle
Vorwegnahme des erst im Vormärz gegründeten Vereins für siebenbürgische
Landeskunde, arbeitete jedoch die Urheber sowie die dabei wirksamen
geistigen Einflüsse im nur unbefriedigend heraus.
Obwohl der Übergang von der ständischen zur bürgerlichen
Gesellschaft, der in ganz Europa in den letzten Jahrzehnten des 18. Jh.
einsetzte und seinen Ausdruck vor allem in der Herausbildung eines bürgerlichen
Vereinswesen fand, zu dem auch die Freimaurerei als eine der ersten
Erscheinungsformen zu zählen ist, seit Ende der 1960er Jahre immer wieder
im Mittelpunkt der Geschichtsforschung steht, gibt es keine Arbeit, die
sich von modernen Fragestellungen ausgehend einer Bewertung der Rolle der
Freimaurerei in Gesellschaft, Kultur und Politik im Großfürstentum
Siebenbürgen stellt.
Der Beitrag Ferdinand von Zieglauers stellt die bisher
einzige fundierte Arbeit zum Themenbereich Freimaurerei des 18.
Jahrhunderts in Siebenbürgen dar, jedoch vor über 120 Jahren geschrieben
ist ihr Vorgehen sehr positivistisch und sie läßt notwendiges kritisches
Hinterfragen weitestgehend vermissen. Spätere Arbeiten, welche die Anfänge
der Freimaurerei in Siebenbürgen mitbehandeln, erweitern das bei
Zieglauer Dargelegte nur unwesentlich und hinterfragen es wenig.
Die Gliederung des vorliegenden Projekts soll ermöglichen,
daß die Vorgänge innerhalb der freimaurerischen Welt und außerhalb
dieser nicht isoliert, sondern in ihren gegenseitigen Wechselwirkungen
untersucht werden, indem die beteiligten Personen als Träger der
Entwicklungen und Bindeglied zwischen freimaurerischer Welt und
„profaner" Gesellschaft in den Mittelpunkt der Ausführungen
gestellt werden. Sind dies Erscheinungen, die bei jeder beliebigen
Vereinigung in ethnisch homogenen Gebieten zu beobachten sind, so kommt
hier die Frage nach inner- und außersiebenbürgischen Einflüssen sowie
nach der Art der Zusammenwirkung der siebenbürgischen Volksgruppen und
Konfessionen hinzu.
Die Arbeit macht es sich zur Aufgabe, die Rolle der
Loge in Gesellschaft, Kultur und Politik Siebenbürgens genauer als bisher
geschehen zu bestimmen. Die folgenden Fragen, die an die Arbeit
herangetragen werden, folgen der chronologischen Entwicklung der Loge:
-
Der Streit mit der Wiener Direktoralloge um eine
weitgehend unabhängige Stellung der Hermanstädter Freimaurer
innerhalb des Logennetzes des deutschen Sprachraums fällt in die
Anfangsphase der Loge, die stärker als die spätere Zeit von
Mitgliedern siebenbürgischer Herkunft geprägt ist. Wie ist dieser
Vorgang einzustufen und welche Bedeutung kommt dabei der
Mitgliederstruktur zu?
-
In einer Zeit fehlender Bankenstrukturen unterhielt
die Loge auf der Basis der relativ hohen Mitgliederbeiträge ein
Finanzsystem, das Mitgliedern wie Nichtmitgliedern zugute kam. Wie ist
dieses im Vergleich zu anderen Logen zu bewerten?
-
Welcher Anteil kam der Loge bei der Integration der
zahlreichen außersiebenbürgischen Mitglieder in das
gesellschaftliche Leben Siebenbürgens zu und wie wirkte sich die
ethnische und soziale Zusammensetzung der Logenmitgliedschaft
insgesamt auf die Arbeit der Loge aus?
-
Inwieweit spiegeln sich gesamteuropäische
Geistesströmungen, besonders die der Aufklärung aber auch auf
siebenbürgischen Traditionen fußendes Denken besonders in den
wissenschaftlichen Bestrebungen der Loge wider?
-
Läßt sich ein Einfluß der Mitgliedschaft in der
Loge etwa auf die Arbeit des Guberniums für Siebenbürgen oder die
Gestaltung des kulturellen Leben Hermannstadts nachweisen?
-
Lassen sich Entwicklungen in der Geistesgeschichte
Siebenbürgens ausmachen, die ihren Ursprung in der Hermannstädter
Loge hatten oder in ihrer Nähe entstanden und von einem Teil oder
einzelnen Mitgliedern getragen wurden?
-
Die Logenmitglieder waren später zum Teil Träger
der einsetzenden Nationsbildung. Übten Vorboten dieser Entwicklung
Einfluß auf die Arbeit der überethnisch zusammengesetzten Loge aus?
Arbeitsplan
Gemäß der Zielsetzung der Arbeit, den Schwerpunkt
nicht allein auf die Geschichte der Loge als solche zu beschränken,
sondern auch die Mitglieder als Träger des neuen Gedankengutes über die
Schließung der Loge hinaus zu verfolgen, ist der Ansatz zur Umsetzung der
Arbeit ein mehrfacher.
Zur Berücksichtigung des wissenschaftlichen
Schrifttums sollen einschlägige Bibliotheken in Deutschland, Ungarn und
Rumänien eingesehen werden. Es gilt, die Bestände der Siebenbürgischen
Bibliothek, Gundelsheim, der Bibliothek des Ungarischen Instituts München,
der Bibliothek des Südost-Institutes, München, der Bibliothek der
Ungarischen Akademie der Wissenschaften, Budapest, der Széchényi
Nationalbibliothek, Budapest, der Bibliothek des Ungarischen Parlaments,
Budapest, sowie der Universitätsbibliothek, Klausenburg/Rumänien, in
besonderer Weise zu berücksichtigen.
Neben den Archivbeständen zur Geschichte der Loge
selbst, die in den Filialen der rumänischen Nationalarchive Hermannstadt,
Klausenburg und Kronstadt eingesehen werden sollen, kommt besonders bei
der Behandlung der ungarnweiten Ausstrahlung der Loge durch ihre
Mitglieder den Archivbeständen in Budapest eine besondere Bedeutung zu.
Die bereits eingesehenen Findbücher des Ungarischen Nationalarchivs geben
Anlaß zur Hoffnung, insbesondere die Mitgliedschaft der Loge betreffend.
Hierzu sind aber auch die Handschriftensammlungen der Széchényi
Nationalbibliothek sowie die der Ungarischen Akademie der Wissenschaften
zu Rate zu ziehen.
Zeitplan
Nach der Einarbeitung in die Thematik anhand der
Fachbestände der Spezialbibliotheken Deutschlands in den Monaten April
und Mai 2000 ist als zweiter Schritt im Juni die Bearbeitung der Archiv-
und Bibliotheksbestände in Rumänien geplant. Während des Sommers wird
das bisher gesammelte Material ausgewertet, um im Januar/Februar 2000 in
Budapest die Recherchearbeit sinnvoll ergänzend abschließen zu können.
Bis zum Ende des Wintersemesters 2000/2001 soll die Arbeit ausformuliert
und abgegeben werden.
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