Ungarisches Institut München / Müncheni Magyar Intézet

 

Pressemitteilung 15. Oktober 2003

 

E I N L A D U N G    Z U M    K O L L O Q U I U M

 M i t    P r e s s e k o n f e r e n z

  

anläßlich der ungarischen Filmtage in München

  

Vom Dorf in die weite Welt – via Moskau-Platz

 

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Kurzbiographien

György Pálfi (geb. 1974) präsentiert nach mehreren Kurzfilmen „Hukkle" als seinen ersten Spielfilm, der sein Prüfungsfilm an der Theater- und Filmakademie in Budapest war. Mittlerweile hat der junge Regisseur ein Dutzend nationale und internationale Festivalpreise mit seinem Erstling gewonnen, so den Preis für den besten Debütfilm bei der 33. Ungarischen Filmwoche (2002), den Publikumspreis und den Spezialpreis für herausragende künstlerische Einzelleistung beim Filmfestival in Cottbus (2002) sowie den Faßbinder-Preis der European Film Academy (2003). Pálfis erster Spielfilm, der seit April 2003 auch in den deutschen Kinos läuft, wurde in diesem Jahr als offizieller Beitrag Ungarns für den Oscar nominiert. Sein neuer Film „Taxidermia" handelt von der Geschichte dreier Generationen und wird von ihm selbst vielleicht absichtlich irreführend als ein „klassischer Familienroman" bezeichnet. „Taxidermia" ist jedenfalls durch seine extreme Absurdität und seinen schwarzen Humor typisch für den Regisseur.

 

Ferenc Török (geb. 1971) absolvierte mit Pálfi zusammen die Filmakademie in Budapest in der Klasse von Sándor Simó. „Moskau-Platz" (Moszkva tér) ist nach mehreren Dokumentar- und Kurzspielfilmen sein erster Spielfilm. Er wurde mit dem Preis für den besten Erstlingsfilm und dem Publikumspreis der Ungarischen Filmwoche (2001) ausgezeichnet und gilt mittlerweile als Kultfilm mit den in Ungarn höchsten Publikumszahlen der letzten Jahre. Török dreht seit August 2003 den Film „Saison" (Szezon) über drei junge Männer vom Lande, die als Kellner am Plattensee in einem Kurhotel der ehemaligen Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei arbeiten. Als Vorlage gilt sein vor einigen Jahren gedrehter Dokumentarfilm über die Welt der Gastronomie („Alig").

 

Árpád Sopsits (geb. 1952) absolvierte nach einer Ausbildung zum Kulturmanager und Buchwissenschaftler zwischen 1975 und 1980 die Filmakademie in Budapest. Er arbeitete lange Jahre als Drehbuchautor und Filmassistent. Seinen ersten Spielfilm „Shooting Gallery" stellte er 1989 fertig.

Ausgewählte Filmographie: „Shooting Gallery" (1989), „Video Blues" (1992), „Fear and Trembling" (1994), „Ritual" (1995), „Lost Leading Man" (1996), „Fly Trap – Improvisations on Teachings Version No. 1." (1996-1998), „Negative Man" (1998). „Abandoned" (Vereinsamt, Torzók, 1999-2001), erhielt unter anderen den Hauptpreis beim World Film Festival in Montreal und wurde 2002 als offizieller Beitrag Ungarns für den Oscar nominiert.

 

Boglárka Pölcz (geb. 1977) und Róbert Pölcz (geb. 1975) haben 2000 während ihres Studiums das Studio „PnP" gegründet. Róbert Pölcz schloß seitdem sein philologisch-theologisches, Boglárka Pölcz ihr naturwissenschaftlich-theologisches Studium ab. Ihr „Safari" wurde auf zahlreichen Festivals vorgestellt und bekam 2002 in Antalya bei dem Internationalen Golden Orange Kurzfilmfestival den Preis für den besten Experimentalfilm.

Filmographie: „Safari" (2000), Experimental-Dokumentarfilm; „Impossible" (2002), Experimentalfilm; „Another War" (2003), Videoclip.

 

Kornél Mundruczó (geb. 1975) belegte nach abgeschlossenem Schauspielstudium (1998) den Regisseur-Studiengang an der Budapester Filmakademie. Mit „Afta" (Tag für Tag, 2000) holte er bei den Internationalen Kurzfilmtagen in Oberhausen unter anderem den Arte-Preis der Jury, mit „Kis apokrif" (2002) den Preis der Ökumenischen Jury. Seine Spielfilme „This I Wish and Nothing More" und „Pleasant Days" sind ebenfalls preisgekrönt. Ab Oktober 2003 nimmt Mundruczó an einem zweieinhalbmonatigen Programm (Résidence du Festival) von Cannes in Paris teil, wohin junge Regisseure nach der Fertigstellung ihres ersten oder zweiten Spielfilmes eingeladen werden. Als nächstes Projekt plant er einen Sci-Fi mit dem Arbeitstitel „Delta", der durch eine Reise im Donau-Delta inspiriert wurde.

Ausgewählte Filmographie: „This I Wish and Nothing More" (2000), „Pleasant Days" (2002), „A kis apokrif" (2002), „A 78-as Szent Johannája" (2003).

 

Lívia Gyarmathy erhielt ihr Diplom an der Filmakademie von Budapest 1964. Sie hat als Regisseurin bisher acht Spielfilme und mehrere Dokumentarfilme realisiert, so einen Dokumentarfilm mit Géza Böszörményi über das kommunistische Zwangsarbeiterlager in Recsk, im Nordosten Ungarns („Recsk, the Hungarian Goulag", 1988). Sie drehte auch einen Spielfilm über die einzige gelungene Flucht aus diesem Lager („Escape", 1997). Ihr Dokumentarfilm „Ballroom Dancing" erhielt 2003 den Regie-Preis beim „goEst"-Festival in Wiesbaden.

 

Ferenc Cakó (geb. 1950) absolvierte 1973 die Hochschule für Bildende Kunst in Budapest. Er arbeitete als Grafiker, Maler und Animationskünstler lange Jahre im Budapester Filmstudio „Pannonia". Seine Knetfiguren („Tóbiás", „Zénó") haben Generationen von Kindern begeistert. Seine Technik der Sandanimation, die er auch im Rahmen von Performances mit Musikbegleitung vorführt, wird von Kameras direkt übertragen – und fasziniert das Publikum in der ganzen Welt.

Ausgewählte Filmographie: „Astra" (1982), Lehmanimation, Kritiker-Preis in Annecy 1983; „Motor Tour" (1982), Lehmanimation, Silberner Drache in Krakau 1983, Spezialpreis in Valladolid 1984; „Ab Ovo" (1987), Sandanimation unter anderem bester Animationsfilm in Cannes 1988, bester Film in Annecy 1989; „Ashes" (1989), Goldener Bär in Berlin 1994; „Stones" (Steine, Kövek, 2000), Sandanimation.

 

Béla Tarr (geb. 1955) trat 1975, nachdem er als Pförtner und Hilfsarbeiter gearbeitet hatte, in das experimentierfreudige Béla-Balázs-Studio für Jungregisseure ein. Er studierte später in Budapest an der Filmakademie und arbeitete seit 1981 im ungarischen Filmstudio „Mafilm". 1980 war Tarr Gründungsmitglied des ersten unabhängigen ungarischen Filmstudios „Társulás". Er unterrichtet seit 1990 als Gastdozent an der Berliner Filmakademie. Sein neuer Film „Der Mann aus London" entsteht aus dem gleichnamigen Kriminalroman von George Simenon in englisch-französisch-deutsch-holländischer Koproduktion.

Ausgewählte Filmographie: „Familiennest" (1977); „Hotel Magnezit" (1978), Kurzfilm; „Betonbeziehung" (1982); „Verdammnis" (1987); „Satantango" (1991-1993); „Reise durch eine ungarische Ebene" (1995), Kurzfilm; „Die Werckmeisterschen Harmonien" (Werckmeister harmóniák, 1997-2000).

 

Zoltán Kamondi (geb. 1960) schloß seine Ausbildung als Regisseur an der Budapester Filmakademie 1988 ab. 1989 arbeitete er als Berichterstatter für das japanische und französische Fernsehen sowie für Radio Free Europe während der Dezember-Revolution in Rumänien. Auch als Theaterregisseur tätig, realisierte er in den 1990er Jahren Projekte unter anderem mit seiner 1996 gegründeten experimentellen Theatergruppe „Rolling Cult Motel". Sein Spielfilm „Der Besuch des Erzbischofs" aus dem gleichnamigen Roman von Ádám Bodor (Zürich: Amman Verlag, 1999) entsteht in internationaler Koproduktion unter Beteiligung der Münchener MTM GmbH.

Ausgewählte Filmographie: „Kiki and the males" (1985), Kurzspielfilm; „Parallel Metabolism" (1989), Dokumentar-Spielfilm; „Path of Death and Angels" (1991), Spielfilm; „The Hungarian Speckled Variety" (I-XII, 1993-2002), Videoportraits; „Golden Deck-Chair" (1995-1996); „The Alchemist and the Virgin" (1997-1999), bester Spielfilm beim Filmfestival in Manchester. „Temptations" (Versuchungen, Kísértések, 1999-2002) ist der erste ungarische Film, der seit István Szabós 1992 gezeigtem „Süße Emma, liebe Böbe" in die deutschen Kinos kommt.

 

Barna Kabay (geb. 1948) und Katalin Petényi, seit den 1980er Jahren in Deutschland tätig, schufen mit dem 1994 verstorbenen Imre Gyöngyössy als Regisseur- und Drehbuch-Team weltweit vielbeachtete Spiel- und Dokumentarfilme, so „Hiobs Revolte" (1982), „Flucht vor dem Despoten" (1988); „Siebenbürgen, süße Heimat" (1990); „Fünfzig Jahre Schweigen" (1991); „Heimatlos" (1991); „Freiheit der Toten" (1992); „Tod im seichten Wasser" (1993), „Europa ist weit" (1994). Mit ihren vielfach international preisgekrönten Werken stellen sie sich immer wieder auf die Seite der Minderheiten, Heimatlosen und Ausgestoßenen. Jüngst haben Kabay und Petényi mit zwei sehr populären Film-Remakes aus den 1930er Jahren auf sich aufmerksam gemacht: „Hippolyt, der Lakai" (1999) und „Traum auf vier Rädern" (Meseautó, 2000). Umfangreich kommentiertes und dokumentiertes, reich bebildertes, deutsch-englisch-französisches Filmverzeichnis: Hoffnung und Mythos. Radikaler Humanismus. Die Filme von Imre Gyöngyössy, Barna Kabay, Katalin Petényi. Hgg. Satellit-Film GmbH – Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum – Filmunio Hungary. Europa 2000, 1996.

 

Seiten zuletzt aktualisiert am: 10.1.2005

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